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Geschichten mittelfränkischer Bahnhöfe

Ein Gemeinschaftsprojekt der Klassen 5GT und 6GT der Mittelschule Heilsbronn-Petersaurach 2019/2020

Geschichten rund um die mittelfränkischen Bahnhöfe Petersaurach, Heilsbronn und Wicklesgreuth

Auf der Strecke Nürnberg – Ansbach fahren heute etwa 176 Züge am Tag, das ist im Vergleich zu Hochleistungsstrecken mit etwa 400 Zügen pro Tag nicht viel. Die Strecke Nürnberg – Ansbach ist allerdings eine wichtige Umleitungsstrecke. Bei Problemen zwischen Würzburg und Nürnberg werden die Züge über die Strecke Nürnberg – Ansbach umgeleitet.

Die Orte Heilsbronn, Petersaurach und Wicklesgreuth bilden heute die Kommunale Allianz Kernfranken mit Bruckberg, Dietenhofen, Lichtenau, Neuendettelsau, Sachsen bei Ansbach und Windsbach. Ziel ist es, einen attraktiven Wirtschaftsstandort zu schaffen und gemeinsam Zukunftsthemen umzusetzen. Hierzu gehören günstiger Wohnraum, Grünflächen, erneuerbare Energien, gute Nahversorgung, Kinderbetreuung und ein vielfältiges Schulangebot.

Wegen des knappen und teuren Wohnraums, besonders in Nürnberg, ziehen viele Menschen hierher. Es entstehen viele Neubaugebiete, die Anbindung an Autobahn und Bahn ist gut. Rechnet man das Fahrgastaufkommen von S-Bahn, Regionalexpress und IC zusammen, befördert die Bahn heute rund 20.000 Fahrgäste am Tag zwischen Nürnberg und Ansbach.

Legende

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Der Pendlerbahnhof Heilsbronn

Die einstige Bedeutung des Bahnhofs Heilsbronn ist heute kaum mehr erkennbar. Heute arbeitet kein Personal mehr am Bahnhof, das Stellwerk wurde 2002 außer Betrieb genommen. Der Bahnhof wird jetzt von Nürnberg aus ferngestellt. Fahrkarten muss man sich am Automaten oder übers Internet besorgen.

Heilsbronn ist nun ans S-Bahn-Netz des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN) angebunden. Deswegen fanden am Bahnhof 2010 umfangreiche Bauarbeiten statt: Die Gleise wurden gewechselt, Gleis 3 zurückgebaut und je eine einfache Weichenverbindung westlich und östlich des Bahnhofes reaktiviert. Des Weiteren wurden die Bahnsteige auf S-Bahn-Standard (140 m lang, 76 cm hoch) gebracht.

Die beiden Gleise des Bahnhofs Heilsbronn im Juli 2019 © Frank Augsburg

Die beiden Gleise des Bahnhofs Heilsbronn im Juli 2019 © Frank Augsburg

 

Vor dem Bahnhof gibt es Parkplätze, einen Taxi-Stand und Fahrrad-Stellplätze, um das Pendeln mit der Bahn besser möglich zu machen. Außerdem ist der Bahnhof nun barrierefrei. Von den einstigen Anlagen allerdings ist heute nicht mehr viel übrig.

Der Bahnhof Heilsbronn im Juli 2019 © Frank Augsburg

Der Bahnhof Heilsbronn im Juli 2019 © Frank Augsburg

 

Die Stadt Heilsbronn hat das große Empfangsgebäude am Bahnhof 2014 erworben. Früher waren in den beiden Obergeschossen Wohnungen. Bis 2018 gab es im Erdgeschoss einen Kiosk, der Reiseproviant und Zeitschriften verkaufte und den Zugang zu einer Toilette bot. Der Durchgang am Kiosk ermöglichte außerdem einen Unterschlupf bei Regen und Kälte. Das große Empfangsgebäude steht jetzt leer. Die Stadtverwaltung beschäftigt sich mit Fragen zur Sanierung und Nutzung des dreigeschossigen Gebäudes.

 

Anschluss ans S-Bahn-Netz

Der Haltepunkt Petersaurach wird heute vor allem von Schülern, die die weiterführenden Schulen in Neuendettelsau und Windsbach besuchen, und von Berufspendlern genutzt.

Haltepunkt in Richtung Windsbach Juni 2020 © Neele Mitlehner

Haltepunkt in Richtung Windsbach Juni 2020 © Neele Mitlehner


Haltepunkt in Richtung Wicklesgreuth Juni 2020 © Neele Mitlehner

Haltepunkt in Richtung Wicklesgreuth Juni 2020 © Neele Mitlehner

 

2014 wurde außerdem eine neue Haltestelle eröffnet: Petersaurach Nord, die von der Nürnberger S-Bahn-Linie S4 angefahren wird. Damit sind Nürnberg und Ansbach nun viel schneller von Petersaurach aus zu erreichen. Eine Fahrt zum Hauptbahnhof Nürnberg dauert nur noch ca. 20 Minuten, eine nach Ansbach sogar nur 12 Minuten. Petersaurach ist heute Teil des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN).

 

Und es gibt noch eine Veränderung: Der Bahnübergang der Ortsverbindungsstraße Petersaurach-Gleizendorf (B14) wurde rückgebaut. Wer nun auf die andere Seite der Bahnstrecke möchte, muss die Ortsumgehung Petersaurach benutzen und über die neue Brücke fahren.

Rückgebauter Bahnübergang der Ortsverbindungsstraße Petersaurach-Gleizendorf (B14) im Juli 2019 © Evelin Braun

Rückgebauter Bahnübergang der Ortsverbindungsstraße Petersaurach-Gleizendorf (B14) im Juli 2019 © Evelin Braun

 

Fit für das 21. Jahrhundert

 

Im 21. Jahrhundert tat sich am Bahnhof in Wicklesgreuth einiges. 2009 wurden beim Umbau der Bahnanlagen die Weichen erneuert. Gleis 1 mit dem Anschluss zur Katterbach Kaserne wurde entfernt, am Gleis 2 entstand ein neuer Bahnsteig. Der Bahnhof ist jetzt barrierefrei. Die freie Fläche davor wird heute für Parkplätze genutzt. Letze Reste der einstigen Güterverladung finden sich noch in Form der Freiladerampe in Richtung Ansbach.

Im Gegensatz zu den anderen beiden Bahnhöfen gibt es im Bahnhof Wicklesgreuth noch Personal. Dort arbeiten vier Fahrdienstleiter rund um die Uhr. Die Mitarbeiter der Firma DB Netz beschäftigen sich nur mit der Zugsicherung und dem Stellen von Weichen und Signalen. Fahrkarten jedoch erhält man nur am Automaten, Auskünfte werden keine erteilt. Selbst die Durchsagen über die Lautsprecher an den Bahngleisen kommen seit 2010 aus Nürnberg.

Der S-Bahnhof Wicklesgreuth im Juni 2020  © Giovanni Rodriguez

Der S-Bahnhof Wicklesgreuth im Juni 2020 © Giovanni Rodriguez


Das Bahnhofsgebäude Wicklesgreuth von vorne im Juni 2020. Das Bahnhofsgebäude ist mittlerweile verkauft. Heute befinden sich in den die oberen Etagen Mietwohnungen. Das Erdgeschoss ist an die Deutsche Bahn langfristig vermietet. © Giovanni Rodriguez

Das Bahnhofsgebäude Wicklesgreuth von vorne im Juni 2020. Das Bahnhofsgebäude ist mittlerweile verkauft. Heute befinden sich in den die oberen Etagen Mietwohnungen. Das Erdgeschoss ist an die Deutsche Bahn langfristig vermietet. © Giovanni Rodriguez


Anekdote Heilsbronn heute

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Sachbeschädigung am Bahnhof

Leider wird auch in kleinen Orten wie Petersaurach Gemeingut zerstört. 2019 wurde an der Haltestelle Petersaurach Süd der Fahrkartenautomat gesprengt und das Geld daraus gestohlen. Die Bahnstrecke zwischen Wicklesgreuth und Windsbach war für mehrere Stunden gesperrt. Es mussten Ersatzbusse eingesetzt werden.

Fast verschlafen!

Christl Flinta, Lehrerin an der Mittelschule Heilsbronn-Petersaurach, erinnert sich an ein Ereignis 2010:

„Ich fahre gerne mit meinen Klassen mit der Bahn ins Schullandheim. Die Kinder lernen dabei, wie sie einen Fahrplan lesen müssen und wie das Umsteigen funktioniert. Außerdem können sie sich während der Fahrt im Zug frei bewegen und sich mit verschiedenen Mitschülern unterhalten und spielen.

Dieses Mal wollten wir nach Lindau fahren. Die Fünftklässler waren sehr aufgeregt. Viele waren zum ersten Mal ohne ihre Eltern unterwegs und hatten riesige Koffer mit. Endlich kam der Zug in Petersaurach an. Alle Kinder stiegen ein. Wir mussten nicht lange bis zu unserem ersten Umsteigen in Wicklesgreuth fahren. Zum Glück fuhr unser Anschlusszug vom gegenüberliegenden Gleis. Alle Kinder stiegen aus und da wurde unser Anschlusszug schon angesagt.

Einer unbestimmten Eingebung folgend schaute ich noch einmal in die Wagen des Petersauracher Zuges und…. traute meinen Augen nicht. Ganz friedlich dösend saß Juliane im Zug, den Kopf ans Fenster gelehnt. Vor Aufregung war sie wohl eingeschlafen und hatte gar nicht bemerkt, dass alle anderen Schüler ausgestiegen waren. Schnell sprang ich in den Zug, schnappt ihren Koffer und zog die noch ganz verschlafene Juliane aus dem Wagen. Das war keine Sekunde zu früh, da am anderen Gleis gerade unser Zug einfuhr.“

 

Heilsbronn heute

Heute leben im in der Stadt Heilsbronn mit den eingemeindeten Dörfern ca. 9.500 Einwohner.

Der Bahnhof Heilsbronn ist heute ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, denn dort beginnen und enden auch einige Buslinien in benachbarte Gemeinden. Da die Einwohnerzahl der Stadt in den letzten Jahrzehnten so zugenommen hat, grenzt sie heute im Norden an den Bahnhof.

Heute steht der Bahnhof und die Gaststätte mitten in der Stadt Heilsbronn. Die Gaststätte ist geschlossen. ©Frank Augsburg

Heute steht der Bahnhof und die Gaststätte mitten in der Stadt Heilsbronn. Die Gaststätte ist geschlossen. ©Frank Augsburg

 

Des Weiteren ist die Stadt Heilsbronn im Städtebauförderungsprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“. Wichtige Ziele dieses Förderprogramms sind der Erhalt und die Weiterentwicklung des historischen Stadtzentrums. Die Stadt soll ein attraktiver Wohn- und Lebensort mit Geschichte und Kultur sein. Hierzu gehört der neu gestaltete Münsterplatz sowie weitere kirchliche Einrichtungen, die einen schönen Rahmen für unterschiedliche Veranstaltungen bieten. Das Heimatstuben und Musikinstrumentenmuseum, das stadtgeschichtliche Museum Heilsbronn, das im Dachgeschoss des ehemaligen Rentamtes beheimatet ist, eine Stadtbücherei sowie viele Gaststätten und ein Freibad unterstützen dies.

Die Attraktivität Heilsbronns besteht auch in der Nähe zur Kreisstadt Ansbach und zum Ballungsraum Nürnberg/Fürth, die das Pendeln in die Arbeit möglich macht. Unterstützt wird dies durch die Anbindung durch Regionalexpress und S-Bahn.

Auch die Arbeitsplätze vor Ort sind gewachsen. Neben den alteingesessenen Firmen gibt es auch neue Betriebe wie die Kunststoffspritzguss-Acad Prototyping GmbH, den FEGA & Schmitt Elektrogroßhandel, die Maschinenbau Heilsbronn GmbH, die Ortlieb Sportartikel GmbH, die Polyden Folienfabrik GmbH oder den Automobil-Zulieferer NBHX Trim Gmb.

 

Petersaurach heute

Petersaurach gehört heute zur Metropolregion Nürnberg. Die gute Zuganbindung nach Nürnberg und Ansbach, nicht zuletzt durch den Anschluss an das Nürnberger S-Bahnnetz seit 2014, macht die Ortschaft für Leute, die in Nürnberg oder Ansbach arbeiten, attraktiv. Sie suchen nun auch in Petersaurach nach Wohnungen. Die sind hier viel günstiger als in den Städten und das Leben am Land ist ruhiger, als das in der Stadt. In Petersaurach leben zur Zeit etwa 2145 Menschen (Stand 2018 www.petersaurach.de/infra/ewz.html).

Die ehemalige Jugendgesundheitsstätte ist heute in Privatbesitz. © Nico Vidovic

Die ehemalige Jugendgesundheitsstätte ist heute in Privatbesitz. © Nico Vidovic


Im Gasthaus „Zur Eisenbahn“ ist heute eine Pizzeria. Allerdings steht die Wirtschaft nun nicht mehr außerhalb des Ortes, sondern liegt in einem Wohngebiet. © Neele Mitlehner

Im Gasthaus „Zur Eisenbahn“ ist heute eine Pizzeria. Allerdings steht die Wirtschaft nun nicht mehr außerhalb des Ortes, sondern liegt in einem Wohngebiet. © Neele Mitlehner

 

Die Ortschaft Wicklesgreuth heute

Wicklesgreuth hat heute rund 1000 Einwohner. Der durch den Bahnanschluss 1875 entstandene Ortsteil Siedlung Wicklesgreuth-Bahnhof auf der Anhöhe vor dem Bahnhof wächst immer noch stetig an.

Die ehemalige Wirtschaft „Zur Eisenbahn“ hat heute keinen Pächter mehr. Sie dient heute als „Bürgertreff am Bahnhof“.

Eine eigene Schule hat Wicklesgreuth nicht, die Grund- und Mittelschulkinder werden mit dem Schulbus nach Petersaurach bzw. Großhaslach gefahren. Die weiterführenden Schulen in Heilsbronn, Neuendettelsau, Windsbach und Ansbach sind mit der Bahn vom Wicklesgreuther Bahnhof leicht zu erreichen.