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Technischer Fortschritt in den 1920er Jahren in Bayern

In den 1920er-Jahren wurden zahlreiche technische Geräte weiterentwickelt und in großen Mengen hergestellt. Da nun viele Wohnungen und Häuser in Bayern elektrischen Strom hatten, kamen auch neue Apparate auf den Markt, wie Staubsauger und Fön.

Neu war auch das Radio. Ab 1924 gab es in Bayern regelmäßige Rundfunksendungen. Man konnte sich nun leichter über das Weltgeschehen informieren oder einfach unterhalten lassen. Musiksendungen oder Hörspiele waren sehr beliebt. Weiterentwickelt wurde auch der Fotoapparat, der nun kleiner, handlicher und vor allem billiger wurde. Deshalb gibt es seit dieser Zeit auch private Fotoalben, die den Alltag der Menschen dokumentieren.

Die technischen Neuerungen erleichterten den Bayern aber nicht nur das Leben oder machten es angenehmer, auch die Gesellschaft wandelte sich. Das Telefon veränderte die Kommunikation in Beruf und Familie. Wenn man nun miteinander sprechen wollte, musste man sich nicht mehr treffen oder Briefe schreiben.

Da in den Fabriken Waren günstig und in großen Mengen hergestellt werden konnten, vergrößerte sich das Angebot an Produkten und sie wurden billiger. So entstanden die ersten Warenhäuser. Die Menschen konnten dort alles erwerben, von Töpfen und Geschirr über Knöpfe, Kosmetik und die neueste Mode. Wegen des großen Warenangebots wurde die Werbung immer wichtiger. Grafikkünstler, Schriftentwerfer und Werbetexter lockten mit ihren teils aufwendig gestalteten Entwürfen die Kunden in die Geschäfte.

Die Menschen in Bayern empfanden diese Zeit als schnelllebig. Dies lag nicht nur daran, dass sich das Leben durch die Neuerungen sehr schnell veränderte. Man wurde auch mobiler, dank Flugzeug, immer schnelleren Autos und Motorrädern. In Bayern waren um 1930 fast 60 000 Autos und über 100 000 Motorräder unterwegs. Der Verkehr wurde dichter – und gefährlicher. Ampeln und Verkehrspolizisten regelten das Nebeneinander von Fußgängern, Radlern und motorisierten Verkehrsteilnehmern. Die Unfallzahlen stiegen allerdings drastisch an.

Durch die Begrenzung der Arbeitszeit in Bayern 1918 auf acht Stunden und des freien Sonntags hatten die Menschen nun viel mehr Freizeit: sportliche Aktivitäten und Ausflüge in die Natur waren beliebt. Man ging abends auch gerne aus: ins Kino, ins Theater oder zum Tanzen. Neue Musikstile und wilde Tänze prägten die Zeit: Shimmy, Foxtrott und Charleston. Aber auch zuhause machte man es sich gemütlich, denn Musikhören konnte man nun ebenfalls daheim: Die Erfindungen des Grammofons und der Schallplatte machten es möglich!

Aufgaben:

© Arnold Betzwieser, Deutsches Telefonmuseum, Museum für Industriekultur Nürnberg, Rundfunkmuseum Fürth

  • Überlegt in Partnerarbeit, wie diese Gegenstände den Menschen das Leben erleichterten. Wie erledigte man denn die Arbeiten, bevor diese Dinge erfunden wurden?
  • Beliebt waren Fotoapparate der Firmen Kodak und Contessa-Nettel. Die Leitz-Kamerawerke brachten das Modell Leica I heraus. Vergleiche die Fotoapparate miteinander. Was machte die Leica I so besonders? Nähere Informationen zur Entwicklung der Fotografie findet ihr hier:
  • Kleine Information zur Fotografie: 1826 gelang das erste Foto! In den Folgejahren wurde das Verfahren der Fotografie weiterentwickelt und verbreitete sich in der ganzen Welt. Seit 1851 konnten Fotos nun auch problemlos kopiert und vervielfältigt werden. Die komplizierte Belichtung und die aufwändige Entwicklung machten die Fotografie aber noch teuer, die Ausrüstung eines Fotografen wog zum Teil mehr als 100 Kilogramm! Die Erfindung des Rollfilms in den 1880er-Jahren ermöglichte es schließlich, mehrere Bilder hintereinander zu machen. In den 1920er Jahren waren die Kodak-Rollfilmkamera Brownie 2 und das Modell von Contessa-Nettel aus Teakholz sehr beliebt. Allerdings waren sie noch recht schwer und unhandlich. Die Leitz-Kamerawerke schafften es schließlich, das Negativformat zu verkleinern. Das bedeutet, der Film in der Kamera war sehr klein. Die Bilder konnten dann bei der Entwicklung des Films vergrößert werden. Diese Erfindung machte es möglich, die erste Kleinbildkamera zu bauen: die Leica I. Die Leitz-Kamerawerke brachten sie 1925 auf den Markt.
  • Die vielen neuen Produkte mussten verkauft werden. Deswegen wurde Werbung wichtig, die auf Plakate gedruckt und an Litfaßsäulen geklebt wurde.
    • Betrachte die Werbeplakate erst einmal für dich alleine. Welche Wirkung geht von Ihnen aus?
    • Beschreibt die Reklameschilder.
    • Lest euch nun die Definition von Werbung durch. Erarbeitet und begründet in Partnerarbeit, ob die Definition auf die Werbeplakate zutrifft: 
    •  Als Werbung bezeichnet man die Förderung, Dinge zu verkaufen. Werbung soll die Menschen informieren und/oder überreden. Sie dient also als Anstoß, etwas kaufen zu wollen. Ein Gegenstand oder eine Firma soll durch Werbung bekannter werden und sich von anderen unterscheiden.
    • Sucht in Zeitschriften oder im Internet nach Reklame. Vergleicht aktuelle Werbung mit den Reklameschildern aus den 1920er Jahren. Worin unterscheiden sie sich, wo liegen Gemeinsamkeiten? Funktioniert Werbung heute anders als vor 100 Jahren?
    • Gestaltet euer eigenes Werbeplakat.
  • Auf der Postkarte siehst du den Marienplatz in München.
    • Betrachtet in Partnerarbeit das Foto und findet heraus, welche Fahrzeuge darauf abgebildet sind.
    • Vergleicht nun die Situation auf der Postkarte mit einer Kreuzung oder vielbefahrenen Straße in eurer Heimatstadt oder Heimatgemeinde. Welche Unterschiede fallen euch dabei auf?
    • Überlegt: Hättet ihr euch als Fußgänger auf dem Marienplatz in München 1928 sicher gefühlt? Begründet eure Entscheidung.
  • Der bayerische Schriftsteller Oskar Maria Graf schildert in seinem Roman „Das Leben meiner Mutter“ die Veränderungen in den 1920er Jahren im dörflichen Oberbayern. Lies dir den Ausschnitt genau durch und beantworte folgende Fragen:
    • Welche Veränderungen beschreibt Oskar Maria Graf in seinem Roman?
    • Wie nehmen die Menschen diese Veränderungen auf?
    • Wie verändert sich das Leben der Menschen auf dem Land durch die Neuerungen?
    • Bewertet der Autor die Veränderungen?
    • Ohne allzu große Übertriebenheit, fast selbstverständlich und gelassen, nahmen die Leute die Neuerungen hin. In jedem Bauernhaus stand jetzt ein guter Radioapparat, durch den man die Wetterberichte und Marktpreise für die landwirtschaftlichen Produkte erfuhr ... viele Bauernsöhne hatten teure Motorräder ... Autobusse verbanden die Dörfer enger miteinander. (Auszug aus „Das Leben meiner Mutter“ von Oskar Maria Graf, 1946)