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Wiederaufbau in Bayern: Rekonstruktion oder Neubeginn?

In der unmittelbaren Nachkriegszeit galt es zunächst, zerstörte Brücken und kaputte Stromleitungen zu reparieren, die Städte von Trümmern zu räumen und die Wohnungsnot durch Behelfsunterkünfte zu lindern.

Nach den ersten Aufräumarbeiten stellte sich die Frage, wie der Wiederaufbau der Städte aussehen soll. Hierüber wurde heftig gestritten: Sollen die Städte originalgetreu wiedererrichtet werden, so wie sie vor dem Krieg waren? Oder sollte man einen radikalen architektonischen Neuanfang wagen?

In den 1950ern gab es im Wesentlichen drei Konzepte für den Wiederaufbau:

Modernes Bauen: Anhänger dieses Konzepts wollten die Zerstörungen des Bombenkriegs nutzen, um neue, zeitgemäße Bauformen zu verwirklichen. Rekonstruktion wurde als rückwärtsgewandt abgelehnt. Die modernen Häuser wurden mit Stahl, Beton und Glas gebaut. Viele Gebäude hatten Flachdächer und große Fensterflächen.

Rekonstruktion: Anhänger dieses Konzepts argumentierten, dass man das geschichtliche Erbe einer Stadt lebendig halten müsse. Die Städte seien über Jahrhunderte gewachsen und von diesem historisch gewachsenen Stadtbild sollte man sich nicht so leicht verabschieden. Im Bombenkrieg zerstörte Gebäude baute man daher möglichst originalgetreu wieder auf.

Anpassung: Ziel war auch hier eine weitgehende Rekonstruktion des Vorkriegszustandes. Allerdings veränderte man auch Details und gestaltete sie moderner. So wurden mehr und größere Fenster gebaut als im Original oder auf die Rekonstruktion von aufwändigen Schmuckelementen verzichtet. Oft wurden auch die Fassaden originalgetreu wiedererrichtet, das Innere der Gebäude wurde aber modernisiert und z. B. mit Aufzügen ausgestattet oder es wurden die Räume und Geschosse anders eingeteilt.

Arbeitsaufträge

  • Einstieg:
    • Beschreibt das Bild der zerstörten Nürnberger Innenstadt (Quelle 1) und setzt es in den zeitlichen Kontext.
    • Die Nürnberger Innenstadt war zu über 90% zerstört. Welche Überlegungen könnten die Nürnberger wohl angestellt haben, was nun aus der zerstörten Stadt gemacht werden soll?
  • Recherchiert in Partnerarbeit im Atlas zum Wiederaufbau nach folgenden Gebäuden und Plätzen: zum Rathausplatz in Ingolstadt, zum Rathaus in Feucht und zur Münchner Residenz.
    • Betrachtet auf dem jeweiligen Foto den Zustand vor dem Zweiten Weltkrieg und nach dem Wiederaufbau.
    • Findet heraus, welche Veränderungen infolge des Wiederaufbaus vorgenommen wurden.
    • Ordnet den Wiederaufbau einem der drei Konzepte zu und begründet eure Entscheidung.
  • Betrachtet nun in der Klasse die Fassade des Pellerhauses vor und nach dem Zweiten Weltkrieg (Quelle 2). Die Fassade aus den 1050er-Jahren gilt als Meisterleistung für den Wiederaufbau und steht heute unter Denkmalschutz. Dennoch gibt es Bestrebungen der Altstadtfreunde e.V., die Fassade aus den 50er-Jahren abzureißen und die Renaissance-Fassade zu rekonstruieren. Wie steht ihr dazu?

 

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