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Heimatvertriebene in Bayern – Arbeit mit Zeitzeugenberichten

Mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands und der Kapitulation aller deutscher Truppen endete am 8. Mai 1945 der Zweite Weltkrieg. Wenig später erreichten bereits die ersten Heimatvertriebenen Bayern – mitten in die chaotischen Zustände der durch die Bombenangriffe zerstörten Städte. Auf die Geflüchteten, zunächst vor allem aus Schlesien und Ostpreußen, war man nicht vorbereitet. Bei ihnen handelte es sich um Kriegsflüchtlinge. Hunderttausende Deutsche und deutschstämmige Zivilisten flohen bereits im Januar 1945 vor den sowjetischen Soldaten, als diese in Richtung Westen vorstießen. Die Folge war ein grauenvolles Massensterben durch Kälte, Erschöpfung und Kriegshandlungen.

Im Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 legten die Siegermächte Großbritannien, die UdSSR und die USA dann die Grenzen zwischen Deutschland und seinen östlichen Nachbarn fest. Das östlich der Oder-Neiße-Linie gelegene Gebiet der Provinz Schlesien wurde unter polnische Verwaltung gestellt. Das Abkommen sah die systematische Zwangsausweisung und Vertreibung aller Deutschen aus Ost- und Südosteuropa vor. Insgesamt zwölf Millionen deutsche Staatsbürger und Angehörige deutschsprachiger Minderheiten mussten ihre osteuropäische Heimat verlassen. Schon unmittelbar nach Kriegsende begann die von polnischen Stellen organisierte Vertreibung der ansässigen Deutschen, die noch nicht geflohen waren. Sie wurden zusammengetrieben und in Gewaltmärschen Richtung Deutschland geschickt. In Güterwaggons wurden sie auf Grundlage des Abkommens „ordnungsgemäß und human“ nach Deutschland abgeschoben.

Ab Januar 1946 verlief die Ankunft der Heimatvertriebenen in Bayern dann bereits organisierter. Zahlreiche Menschen, vor allem aus dem Sudetenland, kamen mit Zügen an den bayerischen Grenzen an. In Durchgangslagern wurden sie erfasst, verpflegt, medizinisch untersucht und entlaust. Anschließend wurden sie auf die Landkreise verteilt. Alles, was als Unterkunft taugte, wurde umfunktioniert – von der Burg bis zum ehemaligen Konzentrationslager. Viele Bayern mussten auch Zimmer in ihren Wohnungen oder Häusern zur Verfügung stellen.

Von den insgesamt rund 2 Millionen Heimatvertriebenen, die in Bayern unterkamen, waren 55 Prozent Sudetendeutsche (vor allem aus Böhmen und Mähren) sowie Karpatendeutsche aus der Slowakei und der Karpatenukraine. Knapp 24 Prozent stammten aus Schlesien, knapp 5 Prozent aus Ostpreußen. Daneben fanden viele der aus Jugoslawien, Rumänien und den Baltenländern Vertriebenen in Bayern Aufnahme (etwa 6 Prozent).

Im Oktober 1946 lebten in Bayern rund 150.000 Menschen in 1.375 Lagern mit beengten Wohnverhältnissen. Erst 1963 wurde in Dürrenzimmern-Heuberg (Lkr. Donau-Ries) das letzte Lager in Bayern aufgelöst. Allerdings waren noch 1965 rund 60.000 Flüchtlinge in sogenannten Barackenwohnungen untergebracht.

Für viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene war die erste Zeit in der neuen Heimat ein beschwerlicher Kampf ums Überleben, gekennzeichnet von Hunger, beengten Wohnverhältnissen, der Suche nach Familienmitgliedern, der Verrichtung von Hilfsarbeiten und Arbeitslosigkeit. Hinzu kamen kulturelle Unterschiede und oft Anfeindungen von Seiten der einheimischen Bevölkerung, nicht zu vergessen die Erlebnisse der Flucht, dem Verlust der Heimat und dem Zurücklassen des gesamten Besitzes.

Wie also erlebten die Menschen ihre erste Zeit in Bayern, welche Erfahrungen haben sie gemacht?

Arbeitsaufträge

Für die folgenden Aufgaben empfiehlt sich eine arbeitsteilige Gruppenarbeit.

  • Tipps für die Auswertung der Interviews:
    • Achtet auf die Herkunft der Heimatvertriebenen. Sie kann wichtig sein für die Erfahrungen, die die Menschen in Bayern gemacht haben.
    • Findet anhand der Karte heraus, woher die Menschen stammten.
    • Beachtet, dass es sich bei all den Interviews um persönliche Einschätzungen und subjektive Erfahrungen handelt.
  • Informiert euch über die persönlichen Erfahrungen der Heimatvertriebenen nach ihrer Ankunft in Bayern. Die Interviews von Jakob Schadt, Hans Weber, Ruth Pirzer, Horst Teltschik und Maria Eichinger helfen euch dabei.
  • Notiert, was ihr über die Wohnungssituation und die Versorgung der Heimatvertriebenen herausfindet. Wertet hierfür die Interviews mit Martin Kornrumpf, Lore Oppitz, Hans Schwager und Edeltraut Hoyer aus.
  • Um eine neue Heimat finden zu können, ist Integration ein wichtiger Punkt, also die Eingliederung in eine neue Gemeinschaft. Wie beurteilen die Befragten die Integration der Heimatvertriebenen in Bayern oder welche persönlichen Erfahrungen haben sie dazu gemacht? Achtet dabei besonders auf folgende Gesichtspunkte:
    • die Region, aus der man kam
    • Dialekt der Heimatregion
    • Alter
    • Ausbildung/Berufserfahrung
    • Konfession
    • Hört euch hierzu die Interviews von Otfried Preußler, Herma Hirschmann, Hans Weber, Ruth Pirzer, Josef Karfreitag, Friedrich Prinz und Maria Eichinger an. 
  • Stellt eurer Gruppe eure Ergebnisse vor. Diskutiert, inwiefern die persönlichen Erfahrungen auch für andere Heimatvertrieben gegolten haben könnten.