Atlas zum Wiederaufbau

Fischbach bei Nürnberg

Fischbach war ein zentraler Ort der Flakverteidigung Nürnbergs und als solcher seit 1943 Ziel von Bombenangriffen. Am 20.04.1945 erfolgte die Einnahme durch die US-Armee. Der Ort verdreifachte seine Bevölkerungszahl zwischen 1939 und 1968 auf 11.677 Einwohner. Um den alten Ortskern wurden neue Siedlungen mit entsprechender Infrastruktur errichtet.

Neugründung

Der heutige Nürnberger Stadtteil Fischbach war bis zum 01. Juli 1972 eine eigenständige Gemeinde.
Im Zuge der Gemeindereform wurde Fischbach bei Nürnberg 1972 Teil der Stadt Nürnberg.

Angriffe

• aufgrund seiner geografischen Lage wird Fischbach häufig bei Luftangriffen auf Nürnberg in Mitleidenschaft gezogen
• Fischbach als südöstlich von Nürnberg gelegene „Rodungsinsel“ im Lorenzer Wald während des Krieges von den NS-Machthabern zu einem zentralen Zentrum der Flakverteidigung Nürnbergs ausgebaut
• März und August 1943: mehrere gezielte alliierte Luftangriffe zur Ausschaltung der deutschen Flakverteidigung im Raum Fischbach

Tote und Verletzte

• durch Luftangriffe 1943: 1 Toter

Schäden

• durch Luftangriffe im März und August 1943:
 - Zerstörung zahlreicher Häuser in Fischbach durch direkte Bombentreffer
 - schwere und mittelschwere Schäden an vielen weiteren Gebäuden, u.a. Gasthaus Schaffert, Harsdorfer Schloß, Träg, Gasthaus Perl
 - schwere Schäden an der Marienkirche: von der neuen Kirche wurden Dach und Turm abgedeckt, Seitenwände eingedrückt, die Holzdecke im Kirchenschiff aufgerissen und mehrere Orgelpfeifen beschädigt
 - schwere Schäden v.a. in der Kinderschulgasse

Kriegsende

• 20. April 1945: Einnahme der Region Nürnberg durch die US-Armee

Spuren des Krieges

• teilweise noch sichtbare Bombentrichter im Lorenzer Reichswald im Bereich entlang der alten Nürnberger Straße (heute Amtmannsbrücklein) bis zum Eisweiher

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 3.811
1946: 4.823
1955: 6.503
1961: 8.572
1968: 11.677
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene siedeln sich in Fischbach an, da das nahe Nürnberg gute Erwerbsmöglichkeiten bietet. 13. September 1950: 832 Heimatvertriebene (5.416 Einwohner insgesamt)

Wiederaufbau

Umsetzung:

• nach Kriegsende 1945:
 - unverzüglicher Beginn mit dem Wiederaufbau
 - rege Bautätigkeit um den alten Ortskern
 - Entstehung eines Neubaugebiets in der Siedlung Flachsröte
• bis 1949: Wiederaufbau des Kindergartengebäudes
• bis 1950: erste Maßnahmen zur Kanalisation der Gemeinde
• bis 1955:
 - Behebung der wesentlichsten Kriegsschäden
 - Beginn der Entwicklung der städtischen Infrastruktur
• 1955 - 1957: Schulerweiterung
• bis 1957: Wiederinstandsetzung der Marienkirche (08. September 1957: Neueinweihung) mit Hilfe des Landesamtes für Denkmalpflege und des Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenrates
• 1957/1958: Ausbau von Wasserleitung und Kanalisation und Anschluss an das Wassernetz der Stadt Nürnberg
• 1962:
 - Einweihung des Rathausneubaus
 - weitere Schulerweiterung mit Turnhallenbau

Literatur

KRETSCHMER, Ulrich: Fischbach, in: Bürgerverein Nürnberg-Südost e.V. (Hrsg.): Nürnberger Stadtteile im Wandel der Jahrhunderte, Nürnberg 1999, S. 39 - 138.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 498.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 19.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 19.
WÜSTNER, Friedrich: Fischbach bei Nürnberg. Herkunft und Weg, Nürnberg 1970.