Atlas zum Wiederaufbau

Gauting

Seit 1940 war die Stadt Ziel mehrerer Luftangriffe. Am 30.04.1945 marschierten die US-Truppen ein. Auch durch den Zustrom von Heimatvertriebenen stieg die Einwohnerzahl stark an. 1968 hatte sie sich mit 14.063 gegenüber 1939 nahezu verdreifacht. Neue Wohngebiete wurden ausgewiesen.

Angriffe

• 08. November 1940: britische Bomber werfen 3 Spreng- und eine Brandbombe
• 20./21. September 1942: in der Nacht Abschuss eines britischen Bombers in der Villenkolonie
• 21. September 1942: britischer Bombenangriff auf Gauting:
 - Abwurf von etwa 20 Sprengkörpern, überwiegend Brandbomben
 - Einschläge ausschließlich außerhalb des Ortes auf Wiese zwischen Waldfriedhof und der Würm
• 06./07. September 1943: leichter britischer Luftangriff
• 21. Juli 1944: schwerster US-Luftangriff auf Gauting mit Abwurf großer Anzahl schwerer Sprengbomben

Tote und Verletzte

• infolge des Luftangriffs am 21. Juli 1944: 38 Tote

Schäden

• durch den Angriff am 08. November 1940: Beschädigung von drei Häusern in der Bennostraße
• durch Luftangriff am 06./07. September 1943: leichte Beschädigung von 4 Häusern
• durch Luftangriff am 21. Juli 1944: Zerstörung mehrerer Häuser in der Planegger- und Schloßstraße durch Sprengbomben
• Zerstörungsbilanz (Gauting mit Stockdorf):
 - völlige Zerstörung von 7 Wohnhäusern mit 9 Wohnungen
 - schwere Beschädigung von 6 Häusern mit 9 Wohungen sowie von 3 gewerblichen und 3 landwirtschaftlichen Anwesen

Kriegsende

• 30. April 1945: kampfloser Einmarsch der US-Armee nach Angebot bedingungsloser Ortsübergabe durch Gautinger Anhänger der „Freiheitsaktion Bayern“ unter Führung von Dr. Hans Penzl

Spuren des Krieges

• Friedhofsgräber von 224 Fremdarbeitern und 85 Juden mit besonders zugewiesenem Platz
• ältestes Holocaustdenkmal auf deutschem Boden

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 4.680
1946: 7.528
1955: 9.528
1961: 11.394
1968: 14.063
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• durch Zustrom von Heimatvertriebenen und Aufnahme Evakuierter wie Luftkriegsgeschädigter Anstieg der Bevölkerung auf 9.302 Einwohner 1947, darunter:
 - 3.171 Evakuierte
 - 1.422 Kriegsflüchtlinge u.a. aus Ostpreußen, Schlesien, Ostbrandenburg und Ostpommern
• 13. September 1950: 2.012 Heimatvertriebene (8.645 Einwohner insgesamt)
• Displaced-Persons-Hospital der UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration; Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der VN; ab 1946: IRO = International Refugee Organisation; 1952 aufgelöst) in Gauting:
 - 1938/39: Errichtung als Kasernenkomplex der Luftwaffe
 - 1943-1945: Nutzung als Lungenkrankenhaus der deutschen Luftwaffe (Kapazität von zuletzt 1.200 Betten)
 - Einrichtung von Teillazaretten in der Gautinger Volksschule und in Eibsee bei Garmisch-Partenkirchen
 - ab Kriegsende: Unterbringung und Behandlung von KZ-Überlebenden (v.a. Juden und DPs)
 - 1947: Gründung der Patientenzeitung „Unser Leben“
 - 1948: Ablösung der Zeitung durch den Hospitalinternen Rundfunksender „Radio Gauting“
 - seit 1951: zahlreiche Erweiterungs-, Anbau- und Modernisierungsarbeiten
 - heute: hochmoderner Krankenhauskomplex

Obdachlose:

• 1946: neben regulären Einquartierungen ca. 500 Menschen in Notunterkünften untergebracht

Wiederaufbau

Umsetzung:

• bis 1947: Wiederaufbau der Mehrzahl aller im Krieg beschädigten oder zerstörten Gebäude

Literatur

FÜRNROHR, Walter / MUSCHIALIK, Felix: Überleben und Neubeginn. DP-Hospital Gauting ab 1945. Mit Faksimile-Abdruck der Patientenzeitung „Unser Leben“ von 1947-1948, München 2005.
KRÄMER, Wolfgang: Geschichte der Gemeinde Gauting einschließlich der Hofmarken Fußberg und Königswiesen nebst Grubmühle, Reismühle und Gemeinde Stockdorf sowie der Schwaigen Kreuzing und Pentenried. Nach archivalischen Quellen dargestellt, Gauting 1949 (= Arbeitsstelle München für Volks- und Heimatforschung. Beiträge zur Bayerischen Heimatgeschichte, Volks- und Landeskunde, Bd. 1), S. 474 - 495.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 492.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 19.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 19.