Atlas zum Wiederaufbau

Gräfelfing

Gräfelfing wurde mehrfach von Bomben getroffen. Am 30.04.1945 marschierten US-Truppen ein. Neben Ausgebombten wurden nach Kriegsende auch Flüchtlinge und Heimatvertriebene im Ort untergebracht. Die Bevölkerungszahl stieg bis 1968 auf 12.400 an, was mehr als eine Verdoppelung gegenüber 1939 bedeutete. Der Wohnungsbau wurde intensiviert, 1952 ein Flächennutzungsplan erstellt.

Angriffe

• 1940: erste Luftangriffe
• bis 1945: bei Luftangriffen auf München auch zahlreiche Bombenabwürfe über Gräfelfing

Tote und Verletzte

• durch Luftangriffe insgesamt: mehrere Tote und Verwundete

Schäden

• durch Luftangriffe insgesamt:
 - völlige oder teilweise Zerstörung von 25 Häusern
 - leichte bis schwere Beschädigung von weiteren Häusern

Kriegsende

• 30. April 1945: Einmarsch der US-Armee in Gräfelfing

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 5.079
1946: 8.128
1955: 10.829
1961: 11.808
1968: 12.508
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• 1945: Anstieg der Bevölkerungszahl auf über 7.000, v.a. durch die große Anzahl von beinahe 2.000 Ausgebombten aus München, Flüchtlingen und Heimatvertriebenen
• 13. September 1950: 1.899 Heimatvertriebene (9.632 Einwohner insgesamt)

Wiederaufbau

Pläne und Ideen:

• nach Kriegsende: vordringlichste Aufgabe ist die Schaffung von Wohnraum
• seit 1948: Bereitstellung der ersten Wohnungen im Rahmen des Finazierungsmodells der Wohnungsbaugenossenschaft, durch Bürgermeister Paul Diehl und Gemeinderat Winter
• 1950er Jahre:
 - aus Kostengründen Errichtung von größeren Wohnblöcken und somit Ende des Prinzips der Villenbebauung
 - dennoch Festhalten an dem seit Jahrzehnten gepflegten Ideal der "Gartenstadt"
 - Schließen der letzten großen Baulücken „Am Anger“ und im „Unterfeld“
 - Ortsteile Gräfelfing und Lochham wachsen zusammen
• 1952: der Flächennutzungsplan sieht den Bau von 3 Volksschulen und eines Gymnasiums vor
• seit Ende der 1960er Jahre: Verschwinden der alten bäuerlichen Bebauung, letzte Reste dieser nur noch in der Stefanusstraße und im Mannhardt-Häusl des Veteranenvereins erhalten
• seit 1968:
 - durch Autobahn-Bau und Hochhausplanungen drohte der Ortscharakter sich gravierend zu verändern
 - daher Widerstand gegen ein weiteres Anwachsen des Ortes
 - Einschränkung der Bebauung, Ausweisen des ehemaligen Fabriksgeländes an der Würm als Volksfestplatz
 - Bevölkerungszahl seither konstant bei ca. 13.000 Einwohnern

Umsetzung:

• 1946/1947: Bau der kath. Kirche St. Johannes Evangelist in Locham
• 1947 - 1960: Entstehung der Anger-Siedlung auf Initiative des Bürgermeisters Dr. Paul Diehl
• Januar 1948: Gründung der Wohnungsbaugenossenschaft Gräfelfing
• Herbst 1949: Bauende am ersten Bauabschnitt der Siedlung „Am Anger“ (56 Wohnungen)
• 1948 - 1950: Bau der evang.-luth. Kirche Locham (heute: evang. Michaels-Kirche)
• 1949/1950: Bau einer „Kino-Lichtbühne“
• 1950:
 - Eröffnung der Meisterschule des bayerischen Bäckerhandwerks
 - Bau des Pfarrhauses der Pfarrei St. Johannes Evangelist
• 1951: Einweihung des neuen Sportplatzes
• 1952: Bau des neuen Feuerwehrgebäudes (heute Malteser Hilfsdienst)
• 1953: Erweiterungsbau der Volksschule
• 1955:
 - Beginn des Schulbetriebs in den 2 neuen Schulen am Adalbert-Stifter-Platz
 - Erweiterungs- und Neubauten am Gymnasium
 - Bau einer eigenen Volksschule für Locham
 - Vergrößerung der kath. gotischen Kirche St. Johannes Baptist für die Aussiedler aus dem Sudetenland und Schlesien
• 1956: Gründung der Gemeindebau GmbH, die im Unterfeld und in Alt-Lochham städtebauliche Akzente setzt
• 1957:
 - Errichtung der Turnhalle am Adalbert-Stifter-Platz
 - Bau von neuen Wohnblöcken in der Glück-Siedlung, an der Finkenstraße, am Bahnhof Lochham, am Wasserbogen, an der Hermann-Hummel-Straße, an der Stefanusstraße und der Lochhamer Straße
• 1958: Bau des Pfarrheims der Pfarrei St. Johannes Evangelist
• 1960 - 1972: Industrieansiedlung und Ausbau des Gewerbegebietes
• ab 1963: Entstehung mehrerer Geschoßwohnungsbauten am Unterfeld
• 1964/1965: Bau des Altenheims St. Gisela, anstelle des ehemaligen Schlosses Seeholzen
• 1967: Umzug der Fachschule für Mälzer und Brauer von München nach Gräfelfing in die ausgebaute Doemens-Schule an der Stefanusstraße (bis heute weiht die Brauereifachschule als Doemens-Akademie Studenten aus aller Herren Länder in die Geheimnisse der Bayerischen Bierherstellung ein und ist damit die weltweit Größte ihrer Art)
• 1968:
 - Bau des Altenheims Lochham
 - Neubau des Rathauses anstelle des beliebten Gasthauses „Zum Weißen Rössl“, das langjähriges Zentrum des geselligen Lebens und Gründungsort der „Würmesia“ gewesen war
 - Bau der Autobahn durch Lochham (A96)
 - Hochhausplanungen

Literatur

EGL, Siegfried: Gräfelfing. Vom Bauernhof zur Gartenstadt im Würmtal, München 1984, S.48 – 103.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 492.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 18.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 19.
TSCHOCHNER, Friederike: Gräfelfing im Wandel. Dorf – Villenkolonie – Gartenstadt, Horb am Neckar 2008.
WETTERSTEIN, Karl: Geschichte der Landgemeinde Gräfelfing, Gräfelfing 1989.
INTERNET:
http://www.graefelfing.de/index.php?id=27,4 (09.11.2009).
http://www.erzbistum-muenchen.de/EMF280/EMF027934.asp (09.11.2009).
http://www.friedenskirche-graefelfing.de/index2.html (09.11.2009).

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