Atlas zum Wiederaufbau

Grünwald

Ab 1942 trafen mehrere Luftangriffe den Ort, sie galten vorwiegend den Fabrikanlagen jenseits der Isar. Vor dem Einmarsch der US-Truppen am 28.04.1945 wurde die Isarbrücke gesprengt. Schon während des Krieges waren Evakuierte in Grünwald untergekommen, nach 1945 kamen Heimatvertriebene hinzu. Die Einwohnerzahl stieg von 2.307 (1939) auf 8.294 (1968) an. Neue Wohngebiete entstanden.

Angriffe

• 19. September 1942: erster Luftangriff mit dem Abwurf von Luftminen auf den Ortsteil Geiselgasteig
• 21. Dezember 1942: Luftangriff auf Grünwald
• 06. und 07. September 1943:
 - Luftangriff auf Grünwald mit Geiselgasteig
 - Bombenabwürfe in den Wäldern rund um Geiselgasteig
 - dabei Abschuss von 7 englischen Flugzeugen bei Wörnbrunn
• 02. Oktober 1943: Luftangriff auf Grünwald
• 11. Juli 1944: harmloser Luftangriff auf Grünwald
• 12. Juli 1944: Absturz eines englischen Flugzeugs in der Nähe der Sauschütt
• 13. Juli 1944: Tieffliegerangriff auf ein Holzfuhrwerk
• 22. September 1944: Luftangriff auf Grünwald
• 17. Dezember 1944: Luftangriff auf Grünwald
• 30. April 1945: US-Beschuss von Pullach aus
• Luftangriffe insgesamt:
 - seit September 1942 mindestens 8 Luftangriffe auf Grünwald
 - hiervon galten einige den Fabrikanlagen jenseits der Isar in Höllriegelskreuth und der Eisenbahnline der Isartalbahn (u.a. am 19. Juli 1944: Luftangriff auf die Fabriken Linde und Pietsch in Höllkriegelsreuth)
 - die Gemeinde selbst war vermutlich ebenso Angriffsziel, da in Grünwald Vertreter der NS-Prominenz wie der NSDAP-Reichsleiter und Reichsarbeitsfrontleiter Dr. Robert Ley oder der NSDAP-Reichsschatzmeister Franz Xaver Schwarz wohnten

Tote und Verletzte

• durch Luftangriff vom 19.09.1942: 1 Toter (an Bombensplittern im Bauch am 21.09.1942 verstorben)
• durch Luftangriff vom 06. September 1943: 7 tote englische Soldaten (durch Absturz der Flugzeug)
• durch Flugzeugabsturz vom 12. Juli 1944: 3 tote englische Soldaten
• durch Brückensprengung vom 30. April 1945: 1 toter deutscher Soldat durch Splitterverletzung
• durch Luftangriff vom 17. Dezember 1944: 3 Tote
• 28. April 1945: 1 toter FAB-Mann
• durch den US-Beschuss vom 30. April 1945: 1 toter Schüler durch Granatsplitter

Schäden

• durch Luftangriff vom 19. September 1942: Schäden v.a. im Ortsteil Geiselgasteig
• durch Luftangriff vom 21. Dezember 1942:
 - Treffer der Villa Stockhausen/Virl in der Robert-Koch-Straße
 - Schäden in der Enzianstraße
 - Löscharbeiten dauern fast einen Tag
• durch Luftangriff vom 06. September 1943:
 - Schäden und Brände in Geiselgasteig
 - Schäden in Grünwald bei Hornung, Ludwig, Stangl, Schraml, Buttig, in der Siedlung und am Schulhaus
• durch Luftangriff vom 02. Oktober 1943: Schäden und Brände in Grünwald bei Kneidl und Schönhöfer beide in der Dr.-Max-Straße, in Wörnbrunn und Geiselgasteig
• durch Luftangriff vom 22. September 1944:
 - völlige Zerstörung des Anwesens Wenzel
 - Zerstörung bzw. massive Schäden in der Wilhelm-Humser-Straße 19 (Anwesen Stadler, Holderied, Fruth und Pruischütz) durch mehrere Volltreffer mit 20-Zentner-Bomben
 - Schäden am Feuerwehrgerätehaus
• durch Luftangriff vom 17. Dezember 1944:
 - große Schäden in der Ortsmitte durch eine Luftmine und folgende Brände
 - Feuerwehreinsatz zur Brandbekämpfung dauert zwei Tage
• durch Brückensprengung vom 30. April 1945: Schäden an umliegenden Häusern

Kriegsende

• 28. April 1945:
 - Versuch der FAB die Sprengung der Isarbrücke zu verhindern scheitert
 - Verhaftung von NSDAP-Größen in Grünwald durch die Gruppe Grünwald der Freiheits-Aktion Bayern (FAB) u.a. von Dr. Thomas Max
 - Befreiung der Inhaftierten durch einen bewaffneten Volkssturmmann und 2 bewaffnete Hitlerjungen
 - Erschießung des FAB-Manns Dr. Max durch den Volkssturmmann
• 30. April 1945:
 - Sprengung des östlichen Bogens der Isarbrücke durch ein deutsches Kommando
 - Beschießung Grünwalds durch die US-Armee im Vorfeld des Einmarsches
• 01. Mai 1945: Einmarsch der US-Armee ohne deutschen Widerstand

Spuren des Krieges

• in der Umgebung Grünwalds, in den Wäldern und im Isartal erkennbare Bombentrichter mit Durchmessern von bis zu 6 Metern
• Gedenksäule zur Erinnerung an das getöteten FAB-Mitglied Dr. Thomas Max am Ort seiner Erschießung

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 2.307
1946: 4.706
1955: 6.326
1961: 7.402
1968: 8.294
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• seit 1942/1943: Aufnahme von zahlreichen Evakuierten und Ausgebombten, v.a. aus dem Münchner Raum
• vor Kriegsende 1945: Aufnahme der ersten Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten
• Sommer 1946:
 - Aufnahme von 522 Heimatvertriebenen, darunter u.a. 339 aus der CSR und 101 aus Schlesien
 - Einrichtung der Groß-Gaststätte „Römerschanze“ als Unterbringungsort für die Flüchtlinge
• bis 1946: Anstieg der Bevölkerungszahl durch Flucht und Vertreibung von 2.307 Einwohnern im Jahre 1939 auf 4.706 im Jahr 1946
• 13. September 1950: 1.114 Heimatvertriebene (5.094 Einwohner insgesamt)
• bis 1960: Bevölkerungsanstieg durch Zuzug auf 7.405

Wiederaufbau

Pläne und Ideen:

• nach 1948: Gründung der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Grünwald eGmbG zur Schaffung von neuem Wohnraum
• bis 1957: im Rahmen der allgemeinen Entwicklung und des Wiederaufbaus entsteht ein Stadtbild, das insbesondere im Kern von einem vielfältigen und abwechlungsreichen Nebeneinander aus alten Häusern und Höfen und modernen Neubauten gekennzeichnet ist

Umsetzung:

• 1943: noch während des Krieges Wiederaufbau der Villa Virl
• nach Kriegsende 1945: Ausbau und Erweiterung der 1939 begonnenen, dann jedoch kriegsbedingt still gelegten Waldeck-Siedlung
• 01. Oktober 1945: Wiederaufnahme des Schulbetriebs
• Februar 1949: Einrichtung einer evang. Konfessionsschule
• bis Oktober 1949: Wiederaufbau der Isarbrücke
• seit Anfang der 1950er Jahre:
 - Entstehung der Leerbichl-Siedlung im Bereich der Sudelfeld-, Breiten- und Wendelsteinstraße mit blockartigen Wohnhäusern, großen Gartenanteilen und weiterführenden Straßen
 - Bebauung des Wörnerbrunner Feldes in der Gegend des Oberhachinger Weges, der Josef-Kogler- und der Jakob-Strobl-Straße
 - Errichtung der Beamtensiedlung an der Josef-Sammer-Straße
 - Baumaßnahmen an der „Eierwiese“ am südlichen Dorfrand
• 1950/1951: Erweiterungsbauten an der Dorfschule in der Dr.-Max-Straße
• 1952: Fertigstellung der Turnhalle
• 1954: Trainingslager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der Sportschule Grünwald zur Vorbereitung auf die Fußball-WM in der Schweiz
• 1955: staatliche Anerkennung als Erholungsort
• bis 1957: Wiederaufbau nahezu abgeschlossen und Kriegsschäden beseitigt
• 1961:
 - Einrichtung eines Werkraums in der Schule
 - Bau eines Hochbehälters für die Wasserversorgung
• 1962: Gründung einer Gemeinschaftsschule anstelle der evang. Konfessionsschule
• 1965: Bau der Schwimmhalle der Sportschule Grünwald
• 1965 und 1969: Erweiterungsbauten am Schulhaus
• 1969: Einrichtung der „Volksschule Grünwald“
• 1974: Vorbereitung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der Sportschule Grünwald auf das Endspiel der Fußball-WM gegen die Niederlande

Literatur

BRÜCKL, Josef: Grünwald. Chronik eines Dorfes an der Isar, Grünwald 1987 (= Grünwald-Chronik Bd. 1).
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 492.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 19.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 20.
WALDHAUSER, Hans: Grünwald-Chronik Bd. 2: Vom Bauerndorf bis heut`, Grünwald 1991.
WALDHAUSER, Hans: Grünwald-Chronik Bd. 3: Damit es uns erhalten bleibt, Grünwald 2004.

DANK:
Für weitere Inforamtionen danken wir dem GEMEINDEARCHIV Grünwald.