Atlas zum Wiederaufbau

Haar

Als Umlandgemeinde von München, zudem in der Nähe des Flughafens Riem gelegen, war Haar relativ häufig das Ziel von Luftangriffen. Am 01.05.1945 marschierten US-Truppen in den Ort ein. Evakuierte und Flüchtlinge wurden zunächst in Baracken untergebracht, 1948 entstand eine Vertriebenensiedlung. Im Jahr 1968 zählte die Stadt 13.064 Einwohner (1939: 6.178).

Angriffe

• 02./03. Oktober 1943: Luftangriff auf München und seine Nachbargemeinden, u.a. Haar
• 13. Juni 1944: Luftangriff auf München und seine Nachbargemeinden, u.a. Haar
• 22. September 1944: US-Tieffliegerangriff
 - ca. 10 bis 30 US-Bomber und Jagdmaschinen mit Bordwaffen und Sprengbomben
 - Angriffsziel: ein wegen Stromausfalls längs der Gronsdorfer Straße stehen gebliebener vollbesetzter Zug, sowie direkt Grondsdorf und Haar
• 24. März 1945: Luftangriff auf den Flughafen München-Riem und Umgebung, u.a. Haar
 - ca. 80 alliierte Flugzeuge bei Angriff auf den Flughafen Riem
 - Angriffsziele: Bahnlinie München-Rosenheim zwischen Gronsdorf und Trudering, Funksendestation zwischen Gronsdorf und Salmdorf, sowie Flughafengelände und Umgebung
• zwischen 09. April und 01. Mai 1945: mehrere Luftangriffe auf den Flughafen München-Riem und die umliegenden Umgebung, u.a. Haar

Tote und Verletzte

• durch Luftangriff am 13. Juni 1944: mehrere Verletze
• durch Tieffliegerangriff am 22. September 1944:
 - ca. 70 Tote
 - zahlreiche Verwundete
• durch Luftangriff auf die Funksendestation am 24. März 1945:
 - mehrere Tote
 - mehrere Verletzte
• durch Angriff am 09. April 1945:
 - 26 getötete KZ-Häftlinge
 - 54 verwundete KZ-Häftlinge
• durch Luftangriff am 28. April 1945:
 - 2 Verletzte
• bei Kriegsende am 01. Mai 1945:
 - Tötung von 6 Angehörigen der Waffen-SS in der Leibstraße durch eine von Dachau kommende US-Einheit
 - Tötung mehrerer Deutscher durch russische bzw. polnische Kriegsgefangene auf dem Gelände des Porenitwerkes

Schäden

• durch Luftangriff am 02./03. Oktober 1943: 50 qm Glasschäden
• durch Luftangriff am 13. Juni 1944: Fenster-, Dach- und Türstockschäden an mehreren Häusern
• durch Tieffliegerangriff am 22. September 1944: mehrere Brände und Gebäudeschäden
• durch Luftangriff am 28. April 1945: Beschädigung mehrerer Häuser, v.a. in der Bibingerstraße

Kriegsende

• 01. Mai 1945: kampfloser Einmarsch der US-Armee
• 05. Mai 1945: nach Vorverhandlungen in Baldham Unterzeichung der bedingungslosen Kapitulation der in Süddeutschland stehenden deutschen Streitkräfte durch den Oberbefehlshaber der 1. Armee, General H. Foertsch in Anwesenheit des Oberkommandierenden der 6. US-Heeresgruppe, General Jacob Denvers, in der Halle des HJ-Heims in Haar

Spuren des Krieges

• alter Ein-Mann-Bunker zur Überwachung versteckter Me 262 Düsenstrahlflugzeuge am Waldrand nahe der Straße von Ottendichl nach Vaterstetten

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 6.178
1946: 7.592
1955: 9.339
1961: 10.204
1968: 13.064
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• Juni 1944: Errichtung erster Baracken für Luftkriegsflüchtlinge und -geschädigte aus dem Raum München
• nach Kriegsende: wachsende Wohnraumnot in Anbetracht der unterzubringenden Evakuierten, Displaced Persons, sowie Flüchtlinge und Heimatvertriebenen
• ab 1948: Errichtung der Vertriebenensiedlung zwischen Rechner-, Wald- und Wasserburgstraße (heute Egerlandstraße)
• 1949/1950: 4 Gärtnereien und 2 Kleinsiedlerstellen als „Nebenerwerbssiedlung Ottendichl“ für 6 Heimatvertriebenenfamilien durch die Bayerische Landessiedlung errichtet
• 13. September 1950: 1.992 Heimatvertriebene (8.799 Einwohner insgesamt)
• 24. November 1950: Fertigstellung einer neuen Siedlung durch die Bayerische Landessiedlung München (Komponistensiedlung)
• ab 1960: Errichtung der Siedlung „Tannenhof“ im Südosten der Gemeinde durch die „Neue Heimat“
• 1963: Fertigstellung von Eigenheimen für 25 Flüchtlingsfamilien auf dem Gelände der „Nebenerwerbssiedlung Ottendichl“

Wiederaufbau

Umsetzung:

• nach der Währungsreform 1948: Ausweisung von Baugrund zur Linderung der Wohnungsnot
 - Bau des Jagdfelds
 - Neugestaltung des Ortskerns
• ab 1948: Errichtung der Heimatvertriebenensiedlung zwischen Rechner-, Wald- und Wasserburgstraße (heute Egerlandstraße)
• ab 1948: verstärkte Ansiedlung von Dienstleistungsbetrieben
• nach 1950:
 - rege Bautätigkeit entlang der Max-Reger-Straße und auf der Zirkuswiese
 - Ausbau der städtischen Infrastruktur wie Ortsstraßennetz, Kanalisation, Schulhäuser, Friedhof und Katastrophenschutzzentrum
• 1959: Bau erster Hochhäuser in der Beethovenstraße

Literatur

GEMEINDE HAAR (Hrsg.): Die Gemeinde Haar. Eine Chronik, Haar 1998, S. 261 - 303.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 492.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 19.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 19.

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