Atlas zum Wiederaufbau

Haunstetten (heute Augsburg)

Die bei Haunstetten gelegenen Rüstungswerke der Firma Messerschmitt wurden mehrfach bombardiert, wobei auch Wohngebiete sowie das KZ-Außenlager getroffen wurden. Haunstetten profitierte nach dem Krieg von seiner Lage nahe Augsburg - die Bevölkerungszahl wuchs rapide von 5.080 (1939) auf 21.614 (1968). 1952, als der Ort zur Stadt erhoben wurde, zählten 2.200 Heimatvertriebene zu den Einwohnern. Um den Ortskern legte sich ein Gürtel neuer Siedlungen mit zugehöriger Infrastruktur. 1972 wurde Haunstetten nach Augsburg eingemeindet.

Neugründung

Der heutige Augsburger Stadtteil Haunstetten wurde am 06. September 1952 zur Stadt erhoben.

Im Zuge der Gemeindereform wurde Haunstetten 1972 Teil der Stadt Augsburg.

Am 07. Juni 1972 konnte der „Vertrag zur Regelung der sich aus der Eingliederung der Stadt Haunstetten in die Stadt Augsburg ergebenden Fragen“ unterzeichnet werden.

Seit 01. Juli 1972 ist Haunstetten ein Stadtbezirk von Augsburg.

Angriffe

• zwischen 25. Februar 1944 und 22. April 1945: insgesamt 8 große Luftangriffe

- Angriffsziel: v.a. Messerschmittwerke

- Woche ab 25. Februar 1944: „Big Week“ mit 4 Luftangriffen der Briten und Amerikaner

- 16. März 1944: das eigentliche Ziel des Bombardements, die Messerschmittwerke, werden verfehlt, stattdessen Bombardement des Siebentischewalds

- schwerste Luftangriffe: 25. Februar 1944, 13. April 1944, 15. Januar 1945 und 22. April 1945

• ab Mitte April 1945: fast täglicher Beschuss durch Tiefflieger

Tote und Verletzte

• durch Luftangriff am 25. Februar 1944:

- 60 tote Bürger

- 70 tote Häftlinge des KZ-Außenlagers

• durch Luftangriff am 16. März 1944: 66 Tote der Belegschaft der Messerschmittwerke, die sich in den Siebentischewald geflüchtet hatten

• durch Luftangriff am 13. April 1944:

- 58 tote Bürger

- 19 tote Häftlinge des KZ-Außenlagers

• durch Luftangriff am 15. Januar 1945: 4 Tote

• durch Tieffliegerangriffe ab Mitte April 1945: 3 tote Frauen

• durch Luft- und Tieffliegerangriffe insgesamt:

- 91 tote Zivilisten

- 72 tote Häftlinge des KZ-Außenlagers

Schäden

• durch Luftangriffe im Februar 1944 und Januar 1945:

- weitgehende Zerstörung der Messerschmittwerke

- Zerstörung des Daches und der Sakristei der Christuskirche

- schwere Beschädigung des Portals der Christuskirche

• durch Luftangriff am 13. April 1944:

- völlige Zerstörung des Vereinsgebäudes des TSV Haunstetten

- schwere Beschädigung der TSV-Turnhalle

- Bombardement trifft v.a. das Oberdorf, das Messerschmitt-Gelände sowie die Volkssiedlung

- völlige Zerstörung des Außenlagers des KZs Dachau

• durch Luftangriff am 15. Januar 1945:

- Schäden vor allem im alten Ortskern

- Beschädigung von 90 Gebäuden, davon 10 teilweise oder vollständig ausgebrannt

• durch Luftangriff am 13. April 1945: endgültig Zerstörung der TSV-Turnhalle

• durch Luft- und Tieffliegerangriffe insgesamt:

- Zerstörung von 62 Häusern

- schwere Beschädigung von 41 Häusern

- Beschädigung von 130 Häusern

Kriegsende

• 28. April 1945: kampfloser Einmarsch der US-Armee

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 5.080
1946: 8.188
1955: 12.420
1961: 16.750
1968: 21.614
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• 13. September 1950: 1.949 Heimatvertriebene (9.253 Einwohner insgesamt)

• 1952: 2.200 Flüchtlinge

Obdachlose:

300 Obdachlose

Wiederaufbau

Pläne und Ideen:

• Bau von landwirtschaftlichen Gebäuden zur Verbesserung der Ernährungslage

• die Gemeinde stellt Grundstücke in der Roggenstraße zur Bebauung zur Verfügung

• gezielte Ansiedlung von Unternehmen um nicht zur Wohnstatt zu werden

Umsetzung:

• Bau von 564 Wohnungen, 49 Einfamilien- und 108 Zweifamilienhäuser westlich der Mittelfeldstraße, durch die Genossenschaft „Neue Heimstätte“

• 1948: auf dem ehemaligen Messerschmittgelände entstehen Niederlassungen der Firmen Grundig und Vespa

• 06. September 1952: Erhebung Haunstettens zur Stadt (1972 Eingliederung Haunstettens als Stadtteil von Augsburg)

• 1952 – 1955: Renovierung der Christuskirche

• 1954:

- Einweihung der kath. Kirche St. Albert

- Neubau der Vereinsgebäude des TSV Haustetten

• 1955: Einweihung des Rathauses in der Tattenbachstraße (ehemaliges gräfliches Palais)

• 1957: Rückgabe von 318 Wohnungen der Messerschmittsiedlung durch die Amerikaner

• 1957/1958: Bau der Pestalozzischule

• 1960: Bau des Naturfreibads

• 1962: Bau des Feuerwehrhauses

• 1966:

- Einweihung des evangelischen Pfarrzentrums

- Einweihung der kath. Kirche St. Pius

• 1966/1967: Ausbau der Fröbelschule

• 1967/1968: Bau des Bauhofs mit öffentlicher Wage

• 1968:

- Einweihung des neuen Haunstetter Krankenhauses

- Fertigstellung der Fröblschule

• 1969: Einweihung des neuen Sportstadions

Literatur

GOßER, Jutta: Haunstetten im Jahre 1945. Zur Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkriegs, Augsburg 1995, S. 4 – 19.

NERDINGER, Winfried (Hrsg.): Architektur der Wunderkinder. Aufbruch und Verdrängung in Bayern 1945-1960, Salzburg / München 2005, S. 110.

SETTELE, Walter (Hrsg.): Haunstetten. Geschichte – Episoden – Bilder, Augsburg 1983, S. 76 – 98.

STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 500.

STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 18.

STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 19.

INTERNET: http://www.dankesreiter.net/haunstetten_neu/index.php?page=geschichte (10.11.2009)