Atlas zum Wiederaufbau

Ismaning

Ismaning war seit 1942 Ziel mehrerer Luftangriffe. Am 27./28.04.1945 brachte die Freiheitsaktion Bayern den Ismaninger Sender kurz unter ihre Kontrolle. Am 30.04. und 01.05.1945 marschierten US-Truppen in den Ort ein. Zu den Evakuierten, die seit 1944 in Ismaning untergebracht waren, kamen nach dem Krieg Heimatvertriebene. Die Bevölkerung wuchs bis 1968 auf 7.721 Einwohner an (1939: 3.419). Die von Vertriebenen aufgebauten Betriebe gaben dem Wirtschaftsleben neue Impulse.

Angriffe

• 19./20. September 1942: Luftangriffe in der Nacht
• Juni, Juli, September und Oktober 1944: Bombenangriffe v.a. die Ismaninger Flur betreffend (u.a. 13. Juni 1944, vgl. Photo)
• 04. November 1944: Luftangriff auf das Dorf Ismaning
• 30. April 1945: Beschuss Ismanings durch die US-Armee

Tote und Verletzte

• durch Luftangriff vom 04. November 1944:
 - 2 Tote
 - 5 Verletzte
• durch Bombenangriffe im Juni 1944: 1 toter Ismaninger
• durch Bombenangriffe im November 1944: 1 toter Ismaninger
• März 1945: 1 toter Auswärtiger in Ismaning gefallen

Schäden

• durch Beschuss am 30. April 1945:
 - Treffer und Schäden an der Papierfabrik
 - Treffer und Schäden am Kirchturm der katholischen Kirche (Neuromanische Kirche, 1904 – 1974, Kirchturm teilw. 13. Jahrhundert)
• durch Luftangriffe im Juni, Juli, September und Oktober 1944:
 - leichte Schäden im Dorf, wie Fensterscheibenbrüche, leichte Gebäudeschäden und Dachschäden
 - Brände vernichten Vorräte wie Heu, Stroh und Brennmaterial zum Heizen
 - große Schäden in den Getreide- und Kartoffelfeldern durch riesige Bombentrichter in der Ismaninger Flur
• durch Luftangriff vom 04. November 1944: Treffer an einem Wohngebäude an der Zacherlstraße
• durch Luftangriffe vom November 1944: Schäden an einem Anwesen mit Berechtigung zum Weißbierausschank
• weitere Schäden durch Luftangriffe:
 - Schäden an der Notbrücke Ismaning-Unterföhring
 - Schäden am Wasserturm (erbaut 1913)
 - Schäden am Schloss in Ismaning (erbaut 1715 –1718); keine direkten Angriffe auf das Schloss, jedoch leichte Schäden am Schloss durch alliierte Luftangriffe in Ismaning
 - Schäden am gemeindlichen Schafstadl
• weitere Schäden durch Luftangriffe (lt. einer Übersicht zu Gebäudeschäden vom September 1945):
 - Totalschaden an 2 Privatgebäuden
 - leichte Schäden an einem Kulturgebäude
 - leichte Schäden an 15 Privatgebäuden

Kriegsende

• April 1944 - Februar 1945: zahlreiche Einsätze von Ismaninger Gespannen, Zugmaschinen mit Anhänger sowie LKW’s, Dreiräder (Gärtnereien) und sonstige Kraftfahrzeuge in München zum Transport von Lebensmitteln, Schuttfahrten und bergen von Möbeln
• vor Ende April 1945: Sprengung der Kanalbrücke bei Unterföhring
• 27./28. April 1945:
 - in der Nacht Einmarsch der Widerstandsgruppe „Freiheitsaktion Bayern“ (FAB) unter Führung des Hauptmanns Rupprecht Gerngroß mit ca. 200 Mann samt Gefangenen von Freimann in Richtung Ismaninger Sender
 - gegen 3 Uhr nachts überwältigt die FAB die Belegschaft des Ismaninger Senders im Erdinger Moos und übernimmt von 5 Uhr in der Früh bis 11 Uhr Mittag den Sendebetrieb
 - Aufruf der FAB an die bayerische Bevölkerung zur Kapitulation und Entmachtung der Nationalsozialisten
 - Hauptmann Gerngroß verlässt mit seinen Männern um 11 Uhr am Vormittag das Sendegebiet. Die SS nimmt den Ismaninger Sender wieder ein
• 30. April 1945:
 - Beschuss Ismanings durch die US-Armee von Garching her; Treffer an der Papierfabrik und am Kirchturm
 - Hissen der weißen Fahne am Kirchturm
• 01. Mai 1945: Einmarsch der US-Armee

Spuren des Krieges

• Die mit Kies aufgefüllten Bombentrichter in der Ismaninger Flur waren auch viele Jahre später noch augenfällig

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 3.419
1946: 4.460
1955: 5.151
1961: 5.960
1968: 7.721
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• 1944: Übersiedlung von ca. 90 Kindern samt Lehrer und Direktor nach der Zerstörung des Städtischen Waisenhauses in der Hochstraße auf das städtische Gut Karlshof in Ismaning (sie bleiben bis weit über das Kriegsende hinaus)
• seit 1944: mit den schweren Luftangriffen Eintreffen von Evakuierten aus München
• Ende 1944: 4.362 Einwohner, davon 414 Evakuierte
• Nach Bombentreffern an der Münchner Landesblindenanstalt, Entstehen von mehreren Blindenheimen in der Nähe des Großsenders Ismaning
• 1945: 4.430 Einwohner, davon 499 Evakuierte
• nach Kriegsende 1945:
 - Zuweisung eines Teils der Blindenheime beim Großsender für Heimatvertriebenen
 - Aufnahme von rund 1.100 Heimatvertriebene sowie zahlreiche Evakuierte, die auch nach Kriegsende noch lange nicht in ihre Heimat zurückkehren können, zusätzlich zu den 4.600 Ismaninger Einwohnern
 - Einrichtung von Schrebergärten für die Heimatvertriebenen nördlich und nordöstlich des Torfbahnhofs (1948 70 Anträge zur Aufteilung von Kleingartenland an die Gemeinde)
 - Ansiedlung von Flüchtlingsbetrieben wie die Firma Ganzert
• Anfang April 1946:
 - Ankunft von Vertriebenen aus Lichwe im Sudetenland in Ismaning
 - Unterbringung der Flüchtlinge: zunächst in den Gastwirtschaften zur Mühle, Post und bei Hillebrand
• Ende April 1946:
 - Eintreffen von Vertriebenen aus Olmütz
 - Eintreffen einer kleinen Gruppe Vertriebener aus Reichenberg
 - Unterbringung der Vertriebenen vorübergehend in der Turnhalle am Hain
• Juni 1946:
 - Ankunft von Aussiedlern aus Budweis
 - Unterbringung der Aussiedler zunächst im Postsaal
• Anfang August 1946:
 - Eintreffen von Vertriebenen aus dem Egerland
 - Unterbringung der Vertriebenen in Notquartieren im Jugendheim, in der Mühle und in der Post
• nach August 1946:
 - Eintreffen von Vertriebenen aus Böhmen, Mähren und Schlesien
 - Unterbringung zunächst durch die Notaufnahme in Turnhallen und Gasthäusern, dann Unterkunft in den Ismaninger Bauernhöfen und Arbeiterhäusern

Wiederaufbau

Pläne und Ideen:

• nach Kriegsende 1945: Gründung einer Art Bürgerwehr zum Schutz vor Plünderungen
• 1949: Beschluss des Gemeinderats zur Vergabe von Grundstücken im Taxet (heutiger Bereich um die Herbststraße)
• Juli 1952: Beschluss des Gemeinderats zum Bau eines Wohnhauses an der Schloßstr. 3 für 9 Familien

Umsetzung:

• Nach Bombentreffern an der Münchner Landesblindenanstalt, Entstehen von mehreren Blindenheimen in der Nähe des Großsenders Ismaning
• nach Kriegsende 1945:
 - Zuweisung eines Teils der Blindenheime beim Großsender für Heimatvertriebenen
 - Einrichtung von Schrebergärten für die Heimatvertriebenen nördlich und nordöstlich des Torfbahnhofs (1948 70 Anträge zur Aufteilung von Kleingartenland an die Gemeinde)
 - Ansiedlung von Flüchtlingsbetrieben wie die Firma Ganzert
• seit Mai 1945: Instandsetzung des Ismaninger Wasserturms (erbaut 1913)
• Oktober 1945: Rückkehr der armen Schulschwestern in die Ismaninger Schule und Wiederaufnahme des Schulbetriebs mit wenigen Lehrkräften in zwei oder drei Schichten
• Dezember 1947: Eröffnung des Ismaninger Lichtspieltheaters beim Gastwirt Neuwirt
• 1949: Gründung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
• August 1949: Wiedereröffnung der neuen Kanalbrücke bei Unterföhring
• 1951-1954: Bau der Maltesersiedlung als katholischer Wohnungsbau mit 36 Wohnungen (später kommen weitere hinzu)
• Anfang der 1950er Jahre:
 - Entstehung der Siedlung an der Isarau, der erste Bauabschnitt umfasst die Eichen- und Buchenstraße, der zweite Bauabschnitt die Lindenstraße
 - Dezember 1953: Bereitstellung von Grundstücken im Erbbaurecht für 25 Familien (Einheimische und Vertriebene) durch die Gemeinde
 - in den nachfolgenden Jahren werden rund 75 Grundstücke vergeben
• Ende 1954: Beginn der Bebauung der Grundstücke an der Lichwer-, Unterföhringer- Straße sowie Am Hang
• 1945-1959: Bau von 617 Wohnungen in der Gemeinde Ismaning
• 1959: Errichtung eines Mietswohnblocks durch die Baugesellschaft München-Land an der Lindenstraße
• 1962 und 1964: Errichtung zweier Wohnblöcke an der Wasserturmstraße mit 24 und 16 Wohnungen

Literatur

ENGEL, Heinz: Chronik von Ismaning, hrsg. von der Gemeinde Ismaning, Birkeneck 1978.
RISINGER, Therese: Ismaning – Geschichte eines Dorfes, München 2004.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 20.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 20.

DANK:
Für weitere Informationen danken wir dem GEMEINDEARCHIV Ismaning.

Weitere Bilder