Atlas zum Wiederaufbau

Landshut

1945 wurde Landshut als Eisenbahnknotenpunkt mehrfach aus der Luft angegriffen. Die Innenstadt blieb weitgehend verschont. Der Widerstand beim Vorrücken der US-Truppen wurde am 29./30.04.1945 durch Luftangriffe gebrochen. Am 01.05.1945 erfolgte die Besetzung der Stadt durch die Amerikaner. Etwa 30% des Wohnraums waren zerstört. Nach Kriegsende strömte bis 1946 ca. 12.000 Flüchtlinge in die Stadt. Das Flüchtlingshilfswerk UNRRA errichtete Behelfsunterkünfte. Der starke Bevölkerungsanstieg - 1968 zählte man 51.281 Landshuter (1939: 31.573) - führte zu einer extremen Wohnungsnot, der ab den 1950er-Jahren durch verstärkten sozialen Wohnungsbau begegnet wurde.

Angriffe

• ab Dezember 1944, u.a. 29. Dezember 1944 und 13. März 1945:
 - mehrere US-Bombenangriffe
 - Eisenbahnknotenpunkt als strategisches Hauptziel der alliierten Angriffe
• 19. März 1945 (Josefi): schwerster Luftangriff US-Air Force auf Landshut
• 11. und 16. April 1945: weitere US-Luftangriffe
• 29. April 1945: US-Luft- und Tieffliegerangriff

Tote und Verletzte

• durch den ersten Luftangriff im Dezember 1944: 51 Tote
• durch den zweiten Luftangriff im Dezember 1944: ein Toter
• ab Dezember 1944: zahlreiche Tote unter den Häftlingen des Außenkommandos des KZs Dachau:
 - durch Luftangriffe
 - durch die Haftbedingungen
• durch Luftangriff vom 19. März 1945: über 200 Tote

Schäden

• durch Luftangriff vom 19. März 1945:
 - Zerstörung des Bahnhofs und sämtlicher angrenzender Gebäude
 - Zerstörung des kompletten Schienennetzes
 - Zerstörung großer Teile der in Bahnhofsnähe gelegenen Wolfgang- und Nikolaisiedlung
 - Zerstörung zahlreicher weiterer Gebäude, u.a. des Franziskanerklosters
• durch Luftangriffe insgesamt:
 - 30% des ursprünglichen Wohnraums zerstört
 - 573 zerstörte oder reparaturbedürftige Wohnungen
 - schwere Schäden am Loretto-Kloster
• durch Luft- und Tieffliegerangriffe sowie Beschuss vom 29. und 30. April 1945: Schäden an zahlreichen Gebäuden, u.a. am Ursulinen-Kloster

Kriegsende

• Dezember 1944: Einrichtung eines Außenkommandos des KZs Dachau nahe des Landshuter Bahnhofs für rund 500 Häftlinge, zur Beseitigung der Schäden infolge der ersten Luftangriffe
• Ende April 1945:
 - SS-Einheiten in Landshut verschanzt
 - Zerstörung der Isarbrücken durch die sich zurückziehenden SS-Einheiten
• 29. April 1945:
 - US-Luft- und Tieffliegerangriffe auf Landshut
 - Hissen der bayerischen Fahne durch Franz Seiff aus einem Fenster seines Hauses in Schweinbach
 - öffentliche Hinrichtung von Franz Seiff durch die SS auf dem Viehmarktplatz
• 30. April 1945: Angriff von US-Truppen auf Landshut
• 01. Mai 1945: Einmarsch der US-Armee

Spuren des Krieges

• Gedenktafel auf dem Friedhof Landshut-Achdorf für die zahlreichen Toten unter den Häftlingen des Außenkommandos des KZs Dachau
• Franz-Seiff-Str. in Landshut (Opfer der Hinrichtung des 29. April 1945)

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 31.573
1946: 43.881
1954: 50.795
1955: 47.797
1961: 49.514
1968: 51.281
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• nach Kriegsende 1945: großer Zustrom von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen nach Landshut
• Dezember 1945:
 - Einrichtung eines Flüchtlingsamts und Ernennung Josef Demmels zum Flüchtlingskommissar für die Stadt Landshut
 - ca. 4.500 Evakuierte und Flüchtlinge sowie über 2.000 weitere „Ausländer“ in Landshut
• 1946:
 - Bereitstellung von Unterkünften für Kriegsflüchtlinge und Heimatvertriebene
 - Ausbau der Artilleriekaserne zur Notunterkunft für Flüchtlinge, u.a. in der Martinsschule
 - Aufstellung von Wohnbaracken in der Veldener Straße
 - Einrichtung von Lagern der UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration; Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der VN; ab 1946: IRO = International Refugee Organisation; 1952 aufgelöst) für DPs (Displaced Persons), Flüchtlinge und Heimatvertriebene
• bis Oktober 1946: Aufnahme von ca. 12.000 Vertriebenen und Kriegsgeschädigten
• 13. September 1950: 9.470 Heimatvertriebene (46.785 Einwohner insgesamt)

Obdachlose:

• 1946: Belegungsdichte pro Wohnraum: 2,57 Personen (1939: 1,28 Personen)
• bis 1949: 1.957 Wohnungssuchende, bis 1956: Anstieg auf 2.905

Wiederaufbau

Pläne und Ideen:

• nach Kriegsende 1945: Hauptziele:
 - Instandsetzung des zerstörten Wohnraums
 - Bereitstellung neuer Unterkünfte für Kriegsflüchtlinge und Heimatvertriebene
• 23. Mai 1946: Stadtratbeschluss zur Wiederherstellung der stadteigenen Gebäude in der Seligenthaler Straße und Ludmillastraße
• 23. Juli 1946: Gründung eines Wohnungsausschusses
• bis 1954: Wiedernutzbarmachung des ehemaligen Bahnhofs sowie des bombengeschädigten umliegenden Areals

Umsetzung:

• nach Kriegsende 1945:
 - Wiederaufbau des zerstörten Bahnhofsbereichs
 - Wiederherstellung der Isarbrücken
 - Errichtung einer neuen Siedlung entlang der Niedermayerstraße in Richtung Schochkaserne
 - Errichtung von Wohnblöcken für die Besatzungstruppen
 - Requirierung von 59 Häusern und 140 Wohnungen durch die US-Armee („Housing Projekt“) zur Unterbringung von Wissenschaftlern und Forschern am ehem. NS-Raketenprogramm
• 1950: erste „Landshuter Hochzeit“ nach dem Zweiten Weltkrieg (bis 1985 im Dreijahres-, seit 1985 im Vierjahresrythmus)
• 19. März 1954: Eröffnung des neu errichteten Bahnhofsgebäudes
• 1956: Wiedereinrichtung der Regierung von Niederbayern mit Sitz in Landshut (seit 1932 gemeinsame Verwaltung von Niederbayern und der Oberpfalz mit Regierungssitz in Regensburg, in Landshut nur untergeordnete Stellen)
• 1950er/1960er Jahre:
 - Ausbau und Erweiterung des Stadtgebiets in der Wolfgangsiedlung (1950er Jahre) und im Klötzlmüllerviertel (1960er Jahre)
 - Ausweisung eines Gewerbegebiets zur Ansiedlung von Industriebetrieben und Schaffung von Arbeitsplätzen
• 21. Oktober 1961: Zerstörung des Fürstenbaus auf der Burg Trausnitz durch einen Brand
• 1975: Abschluss der Sanierungsarbeiten auf Burg Trausnitz
• 1972-1974: im Zuge der bayerischen Gebietsreform:
 - Eingemeindung von Münchnerau, Schönbrunn, Frauenberg und Wolfsbach sowie weiterer Gemeindeteile an Landshut grenzender Gemeinden
 - Anwachsen des Stadtgebiets Landshuts um rund 20 Quadratkilometer auf ca. 66 qkm und Anwachsen der Bevölkerung um ca. 6.000 Einwohner
• 1978: Errichtung der Landshuter Fachhochschule

Öffentliche Gebäude

Bahnhof Landshut

Öffentliche Gebäude

Zerstörung: 29.12.1944-16.04.1945

Literatur

BESELER, Hartwig / GUTSCHOW, Niels: Kriegsschicksale Deutscher Architektur. Verluste - Schäden - Wiederaufbau, Neumünster 1988, S. 1368.
GÖTZ, Dorothea: Chronik der Vertriebenen in Landshut 1945-1987, Landshut 1991, S. 10 - 37 und S. 64 - 72.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 492.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 18.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 18.
TAUSCHE, Gerhard / EBERMEIER, Werner: Geschichte Landshuts, München 2003, S. 158 - 171.

DANK
Für weitere Auskünfte danken wir dem STADTARCHIV Landhut.

Weitere Bilder