Atlas zum Wiederaufbau

Lauf

Seit 1944 gab es mehrere Luftangriffe, zahlreiche Wohnungen wurden zerstört. Am 14.04.1945 wurde die Autobahnbrücke von der Wehrmacht gesprengt. Der Einmarsch der US-Armee erfolgte einen Tag später weitgehend friedlich. 1950 waren 15% der Einwohner Flüchtlinge und Vertriebene, bis 1968 wuchs die Bevölkerung auf 15.429 (1939: 7.629). Die Kommune begegnete dem Wachstum mit verstärktem Wohnungsbau sowie dem Ausbau der Infrastruktur.

Angriffe

• 30./31. März 1944:
 - britischer Luftangriff auf die Innenstadt und einige Außenorte
 - ursprüngliches Angriffsziel: Nürnberg
• 02. Januar 1945: US-Luftangriff auf den heutigen Ortsteil Rudolfshof
• 11. April 1945: US-Luftangriff auf das Stadtgebiet

Tote und Verletzte

• durch Luftangriff am 30./31. März 1944: 1 Toter
• durch Luftangriff am 11. April 1945: 30 Tote
• nach US-Einmarsch am 16. April 1945: mehrere Tote Zivilpersonen infolge des Beschusses von Lauf durch die deutsche Flak aus Nürnberg
• insgesamt: 58 durch Kriegsereignisse getötete Zivilisten im Landkreis Lauf

Schäden

• durch Luftangriff am 30./31. März 1944:
 - 38 Gebäude der Stadt zerstört oder stark beschädigt
 - umfangreiche Gebäudeschäden in den Außenorten Schönberg, Weigenhofen, Nuschelberg und Veldershof
• durch Luftangriff am 02. Januar 1945: Totalzerstörung eines landwirtschaftlichen Anwesens
• durch Luftangriff am 11. April 1945: zahlreiche Gebäudeschäden
• Gesamtschäden im Landkreis Lauf:
 - 363 zerstörte Wohnungen
 - 2 zerstörte historische Gebäude
• durch Beschuss von US-Panzern am 15. April 1945:
 - Beschädigung der Stadttore
 - Brandschäden am Heindel`schen Stadel

Kriegsende

• 14. April 1945: Sprengung der Autobahnbrücke über die Pegnitz durch ein Sprengkommando der Wehrmacht
• 15. April 1945:
 - Rettung der Wasserbrücke in der Altstadt beim Wenzelschloss durch Bürgermeister Oertel, Kreisleiter Walz und mehrere Laufer Bürger
 - Beschuss der verbarrikadierten Stadttore und der unbesetzten Panzersperren
 - Verhinderung letzter sinnloser Kampfhandlungen durch die Volkssturmführer
 - Einmarsch der US-Armee ohne Widerstand seitens Wehrmacht und Volkssturm
• ab 16. April 1945:
 - Errichtung eines US-Gefechtsstands in Lauf
 - Positionierung der schweren Artillerieabteilung der US-Division in Kotzenhof
 - Störangriffe deutscher Flugzeuge als Gegenmaßnahme und Abschuss einer Me-109
 - Beschuss der US-Truppenansammlung in und um Lauf durch die Großbatterie der Nürnberger Flak und Tötung mehrerer Zivilpersonen

Spuren des Krieges

• Einschussspuren aus dem Jahr 1945 im Wappensaal des Wenzelschlosses erkennbar (Bau aus dem 14. Jahrhundert)
• platzbestimmendes Fachwerkhaus am Marktplatz nicht wieder aufgebaut

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 7.627
1946: 9.868
1954: 11.552
1955: 11.501
1961: 12.863
1968: 15.429
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• bis 1950: Aufnahme von 1.382 Flüchtlingen und Vertriebenen im Stadtgebiet (14% der Gesamtbevölkerung)
• 13. September 1950: 1.418 Heimatvertriebene (10.412 Einwohner insgesamt)
• Zuweisung von Unterkünften durch den städtischen Wohnungsausschuss und Unterbringung in Privathäusern

Wiederaufbau

Pläne und Ideen:

• kein projektierter Wiederaufbau, da zerstörte oder beschädigte Einzelgebäude von Eigentümern selbst instand gesetzt wurden

Umsetzung:

• 1947/1948: Instandsetzung und Umbau der Wasserbrücke über die Pegnitz (erste öffentliche Baumaßnahme nach dem Krieg)
• ab 1949/1950: Errichtung von Wohnblocks durch örtliche und überörtliche Baugenossenschaften, auch zur Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge und Heimatvertriebene (Bauhilfe Landkreis Lauf GmbH)
• 1950: Eröffnung der Bertlein-Volksschule im Stadtteil links der Pegnitz
• 1951:
 - Neubau der Städtischen Werke
 - Errichtung von 40 Wohnungen durch die Bayerische Heimstädte GmbH
• 1952/1954: Errichtung von 100 Wohnungen durch die Kreishandwerkerschaft Lauf
• 1953: Bau von Wohnblöcken durch die Siedlergemeinschaft St. Otto
• 1954: Eröffnung der Mittelschule (Realschule)
• 1954/1956: Erweiterung der Wasserversorgungsanlagen
• 1955: Einweihung der Volksschule Heuchling
• 1957:
 - Eröffnung der Verwaltungsschule der Bundesanstalt für Arbeit
 - Bau von 26 Reiheneigenheimen durch die Landeswohnungsfürsorge Bayern GmbH
• 1958:
 - Eröffnung des Kindergartens Schönberg
 - Eröffnung des Friedhofs Heuchling
 - Einweihung des evangelischen Gemeindehauses in der Luitpoldstraße
• 1962:
 - Eröffnung des neuen Kreiskrankenhauses
 - Eröffnung des Freibades am Bitterbach
• 1963: Umbau und Erweiterung des Landratsamtes
• 1965: Errichtung des Gymnasiums
• 1966: Einweihung der Kunigundenschule (Volksschule) im Stadtteil rechts der Pegnitz
• 1968:
 - Eröffnung des Erweiterungsbaus Haus II der Spitalstiftung
 - Eröffnung des Kindergartens Heuchling
• 1950er und 1960er Jahre: umfangreiche Straßenbau- und Kanalbaumaßnahmen

Literatur

KUNZE, Karl: Kriegsende in Franken und der Kampf um Nürnberg im April 1945, Nürnberg 1995, S. 153 - 158.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 496.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 18.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 19.

DANK
Für weitere Auskünfte danken wir dem STADTARCHIV Lauf a.d.Pegnitz.

Weitere Bilder