Atlas zum Wiederaufbau

Lauingen

Lauingen wurde am 12./13.10.1941 bombardiert, Dutzende Gebäude beschädigt, 44 zerstört. Am 22.04.1945 wurde die Donaubrücke von deutschen Truppen gesprengt. Die US-Truppen marschierten ein, ohne auf größeren Widerstand zu treffen. In der Nachkriegszeit wurden neue Siedlungsareale am Stadtrand erschlossen.

Angriffe

• 12./13. Oktober 1941: schwerer Luftangriff durch britische Bomber:
 - mehrere Angriffswellen
 - Abwurf von ca. 1.000 Brand- und 100 Sprengbomben sowie von 10 Phosphorkanistern
 - Lauingen Ersatzziel für 7 Bomber (eigentliches Angriffsziel Nürnberg verfehlt)

Tote und Verletzte

• durch Luftangriff am 12./13. Oktober 1941:
 - 4 tote Lauinger, darunter Bürgermeister Dr. Dolles infolge einer Herzlähmung
 - ferner 4 bis 5 tote Kriegsgefangene bzw. Zwangsarbeiter
 - 17 Verwundete durch Sprengbombensplitter
• 22. April 1945:
 - Tötung mehrerer Wehrmachtsoldaten während Sprengung der Donaubrücke
 - Tötung eines US-Soldaten bei der Einnahme der Stadt

Schäden

• durch Luftangriff am 12./13. Oktober 1941:
 - völlige Zerstörung von 44 Gebäuden
 - schwere Beschädigung von vier Häusern
 - leichte Schäden an einer größeren Anzahl weiterer Gebäude
 - Brände in mehreren landwirtschaftlichen Anwesen und in einer Autowerkstätte in der Dillinger Straße
 - Beschädigungen am Kreiskrankenhaus (Isolierhaus)
 - Zerstörung des Pfarrtores (ehemaliges Stadttor West/Faiminger Tor)
 - Brände im Gebälk der Stadtpfarrkirche und in der Sakristei
• infolge der Sprengung der Donaubrücke am 22. April 1945: Beschädigung der Spitalkirche, des Bürgerspitals und umliegender Häuser

Kriegsende

• 22. April 1945:
 - Sprengung der Donaubrücke durch deutsche Truppen während des US-Einmarsches
 - Einmarsch der US-Armee ohne deutschen Widerstand, jedoch tödliche Verwundung eines US-Soldaten durch Schuss aus Kellerfenster
• 25./26. April 1945: Schüsse in der Nähe der Stadt deuten auf letzte Aktivitäten eines SS-Widerstandsnestes oder einer Werwolf-Gruppe hin

Spuren des Krieges

• mehrere Sprengtrichter im Umkreis der Stadt auf freiem Feld
• bis in die 1980er Jahre: teilweise sichtbare notdürftige Dachreparaturen mit Blechen der ehemaligen Lauinger KZ-Baracken, v.a. in der Umgebung der Donaubrücke

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 5.607
1946: 7.547
1954: 8.249
1955: 8.364
1961: 8.503
1968: 8.860
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• 1944: ca. 800 KZ-Häftlinge aus Dachau und eine große Anzahl Fremdarbeiter zum Arbeitseinsatz in Lauingen untergebracht (spätere Displaced Persons)
• 29. Oktober 1946: 15.810 Flüchtlinge im Landkreis Dillingen registriert
• 13. September 1950: 1.683 Heimatvertriebene (7.933 Einwohner insgesamt)
• bis 1961: Aufnahme von 2.220 Flüchtlingen
• Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge:
 - Aufbauschule (700 Personen)
 - Landwirtschaftsschule (Flüchtlingsaltersheim mit 120 Personen)

Obdachlose:

• 158 Obdachlose infolge der Spreng- und Brandschäden

Wiederaufbau

Pläne und Ideen:

• ab 1941/1942: Koordinierung des Wiederaufbaus der Stadt durch Bauleitung der Staatsregierung mit dem Ziel, die landwirtschaftlichen Anwesen vor die Stadt zu verlegen

Umsetzung:

• ab 1942: Anlage von Aussiedlerhöfen im Umkreis Lauingens
• 24./25. April 1945: Errichtung einer Behelfsbrücke durch US-Pioniere
• nach Kriegsende: notdürftige Reparatur der während der Brückensprengung abgedeckten Hausdächer mit Blechen der abgerissenen Lauinger KZ-Baracken
• nach 1945: mit Ausnahme der Erschließung von Siedlungsarealen keine wesentliche Änderung der städtischen Grundstruktur und des Stadtbildes nach 1945
• 1950: Angliederung einer Oberschule an die Lehrerbildungsanstalt
• 1955: Umbau der alten Knabenschule
• 1956/1957: Erweiterung der Landwirtschaftsschule
• 1950 und 1960er Jahre: Umgestaltung des Lauinger Herzogsschlosses

Übrige

Oberes Faiminger- / Pfarrtor Lauingen

Übrige

Zerstörung: 12./13.10.1944

Literatur

BESELER, Hartwig: Kriegsschicksale Deutscher Architektur, Bd. 2, S. 1368.
DIREKTORAT DES ALBERTUS-GYMNASIUMS: Dokumentation der Ausstellung „50 Jahre Stunde Null. Zum Gedenken an das Ende des 2. Weltkrieges in Lauingen“, Gundelfingen 1995.
STADT LAUINGEN: Lauingen und Lauinger in alten Bildern, Lauingen 2005.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 500.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 19.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 20.
STENGEL, Walter: Die Heimatvertriebenen im Landkreis Dillingen an der Donau. Eine Dokumentation. Hrsg. vom Landkreis Dillingen a. d. Donau, Gundelfingen 1997.

DANK
Für weitere Auskünfte danken wir dem STADTARCHIV Lauingen.

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