Atlas zum Wiederaufbau

Marktredwitz

Im April 1945 wurde Marktredwitz das Ziel von Tieffliegerangriffen, die den Einmarsch der US-Truppen vorbereiteten. In Barackenlagern waren während des Krieges Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Evakuierte untergebracht. 1945 wurde ein DP-Lager errichtet. Zeitweise stieg die Bevölkerung um 5.500 Personen an, 1950 zählte man 3.940 Heimatvertriebene bei einer Einwohnerzahl von 15.953. Die Stadt richtete einen Wohnungsausschuss ein und forcierte den Siedlungsbau mithilfe der Allgemeinen Baugenossenschaft.

Angriffe

• seit 05. April 1945: vereinzelte Luftangriffe/Tieffliegerangriffe auf Bahnanlagen und das Schienennetz
• 10. April 1945: Luftangriff auf Marktredwitz

Tote und Verletzte

• durch Luftangriff am 10. April 1945: 1 Toter
• durch Tieffliegerangriff am Oberredwitzer Berg am 19. April 1945: 1 Toter

Schäden

• durch Luftangriff am 10. April 1945: schwere Beschädigung des landwirtschaftlichen Lagerhauses der Baywa und der Maschinenfabrik Carl Meyer

Kriegsende

• 19./20. April 1945:
 - Beseitigung der wenige Tage zuvor durch den Volkssturm angelegten Panzersperren durch die Marktredwitzer Bevölkerung in der Nacht
 - Hissen der weißen Fahnen auf dem Turm der Bartholomäus-Kirche durch die Marktredwitzer Bevölkerung
• 20. April 1945:
 - Selbstauflösung des Volkssturms
 - kampfloser Einmarsch der US-Armee

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 11.791
1946: 15.335
1955: 15.977
1961: 15.523
1968: 15.317
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• Unterbringung von Evakuierten, Zwangsarbeitern und Kriegsgefangen bis Kriegsende:
 - Schillerhainlager: Unterkunft für mehrere hundert Evakuierte und Ausgebombte aus deutschen Städten
 - Obere- und Untere Phönixbaracke: kriegsgefangene Russen und ukrainische Arbeitskräfte
 - Thomas-Baracke: 50 bis 70 Arbeitskräfte aus Polen und der Ukraine
 - zahlreiche private Einquartierungen von Luftkriegsflüchtlingen
• August 1945: Einrichtung eines Ausländerlagers in Marktredwitz auf Anordnung der US-Militärbehörden
• zwischen Anfang 1945 und 1946: Anstieg der Bevölkerung durch den Zuzug von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen um ca. 5.500 Personen
• 13. September 1950: 3.940 Heimatvertriebene (15.953 Einwohner insgesamt)

Wiederaufbau

Pläne und Ideen:

• 10. Oktober 1945: Einrichtung eines Wohnungsausschusses

Umsetzung:

• 1946: Wiederauf- oder Neubau von insgesamt 50 Gebäuden:
 - 10 Wohnungsbauten bzw. Instandsetzungen
 - 5 landwirtschaftliche Bauten
 - 35 industrielle und gewerbliche Bauten
 - davon nur 1 Bauvorhaben mit amtlicher Baustoffzuteilung
• 1947: Wiederauf- oder Neubau von insgesamt 38 Gebäuden:
 - 10 Wohnungsbauten bzw. Instandsetzungen
 - 8 landwirtschaftliche Bauten
 - 20 industrielle und gewerbliche Bauten
 - davon 5 Bauvorhaben mit amtlicher Baustoffzuteilung
• 1947: Gründung des Volksbildungswerkes
• 1948: Wiederauf- oder Neubau von insgesamt 27 Gebäuden:
 - 6 Wohnungsbauten oder Verbesserungen
 - 1 landwirtschaftlicher Bau
 - 20 industrielle und gewerbliche Bauten
 - alle Bauvorhaben ohne amtliche Baustoffzuteilung
• bis 1948: von den insgesamt 26 Wohnungsbauten schaffen nur 12 (46%) tatsächlich Wohnraum (restliche 52% Dachausbauten, Verbesserungen oder Rückgebäudebauten)
• Juli 1949: Auftrag des Stadtrats zur Errichtung von 13 Doppelwohnhäusern (52 Wohnungen) in der „Frauenholzsiedlung“ im Osten der Stadt
• 1949 - 1951: Bauprojekt der Allgemeinen Baugenossenschaft über 149 Wohnungen und 4 Geschäfte

Literatur

BERGMANN, Werner: Das Kriegsende 1945 im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge, Wunsiedel 2005, S. 100-104.
OSTERMANN, Rainer: Kriegsende in der Oberpfalz. Ein historisches Tagebuch, Regensburg 1995.
SCHMIDT, Eberhard: Die Stadt Marktredwitz in der Nachkriegszeit 1945-1949. Zulassungsarbeit zur Ersten Prüfung für das Lehramt an Volksschulen im Wintersemester 1969/70 im Fach Politische Wissenschaft.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 494.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 18.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 19.

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