Atlas zum Wiederaufbau

Miltenberg

Seit 1943 gab es immer wieder Bombenabwürfe auf Miltenberg, vor allem auf Bahnhof und Industriegebiete; die Innenstadt blieb verschont. Ende März 1945 sprengten SS-Soldaten die Mainbrücke, am 31.03.1945 marschierten US-Truppen in die Stadt ein. 1950 lebten 2.268 Heimtavertriebene in Miltenberg (8.241 Einwohnern insgesamt), die zunächst in Barackenlagern untergebracht wurden.

Angriffe

• um 20. Juli 1943: Luftangriff von Jagdbombern auf Werksanlagen eines Sägewerks in Miltenberg-Nord
• 03. Dezember 1944: Luftangriff von Jagdbombern auf den Miltenberger Bahnhof mit Bomben und Bordwaffen
• 22. Februar 1945: Luftangriff von 8 US-Jagdbombern auf die Werksanlagen südlich des Mains und auf einen Zug der Organisation Todt im Bahnhof Miltenberg-Nord

Tote und Verletzte

• durch Luftangriff vom 03. Dezember 1944: 2 Verwundete
• durch Luftangriff vom 22. Februar 1945:
 - zwischen 14 und 20 Toten, u.a. 10 Tote der „Düsseldorfer Siedlung“
 - mehrere Verwundete
• durch unangekündigte Sprengung am 28. März 1945:
 - unklare Angaben
 - bis zu 8 Tote
 - mehrere tote Soldaten

Schäden

• durch Luftangriff vom 20. Juli 1943:
 - Schäden am der Lagerhalle des Sägewerks
 - Schäden an den dort eingelagerten Möbeln eines Spediteurs, der diese aus der Hauptstadt Berlin in Sicherheit gebrachte hatte
• durch Luftangriff vom 03. Dezember 1944:
 - 1 zerstörte Lok
 - 2 betriebsunfähige Loks
 - 3 beschädigte Waggons
• durch Luftangriff vom 22. Februar 1945:
 - Zerstörung von 5 Wohnhäusern in Bahnhofs- und Flussnähe
 - Schäden am Gebäude der heutigen Firma WIMA
 - Schäden an der Kleiderfabrik Weber
 - Schäden an Häusern in der Nähe des Hotels „Rose“ (vermutliches Ziel: der Bahnhof oder die Nachschubschiffe im Main)
 - Schäden am Schlachthaus (vermutliches Ziel: das E-Werk)
 - Schäden an 5 Baracken der Notsiedlung, der „Düsseldorfer Siedlung“, in Miltenberg-Nord (wahrscheinlich für eine Munitionsfabrik o.ä. gehalten)
• durch unangekündigte Sprengung am 28. März 1945: Schäden an mehreren Häusern in unmittelbarer Umgebung der Brücke

Kriegsende

• März 1945: Einrichtung von Lazaretten für die aus den Kampfzonen zurückverlegten Verwundeten im Gebäude der Truppführerschule des Reichsarbeitsdienstes, in der ehemaligen Mädchenrealschule der Armen Schulschwestern und im früheren Bischöflichen Knabenseminar Kilianeum
• 25. März 1945:
 - Volkssturm-Einheiten heben Verteidigungsgräben aus
 - erste Überlegungen für eine Sprengung der Main-Brücke
• 25./26. März 1945: Sprengung der Eisenbahnbrücke
• 26. März 1945: erfolgloses Vorsprechen einiger Bürgerinnen beim örtlichen SS-Stadtkommandanten, um eine Sprengung der Main-Brücke zu verhindern
• 28. März 1945: unangekündigte Sprengung der Main-Brücke (ohne vorherige Sperrung)
• 31. März 1945:
 - Vorrücken der US-Armee von Westen
 - Gewehrfeuer der Hitlerjugend vom Aussichtsturm über der St.-Kilian-Kellerei herunter (ohne Erwiderungsfeuer der US-Soldaten)
 - mühelose Beseitigung der Panzersperre mit Güterwagen an der Rosen durch US-Einheiten
 - Einnahme von Miltenberg durch die US-Armee

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 4.974
1946: 7.682
1955: 7.968
1961: 8.088
1968: 7.907
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• ab 1942:
 - Aufnahme von deutschstämmigen Flüchtlingen aus der Dobrudscha (heute: Südost-Rumänien und Nordost-Bulgarien)
 - Unterbringung überwiegend in einem aufgelassenen Schülerheim
• ab 1942/1943:
 - Bau von 48 Doppelbaracken mit 96 Wohneinheiten für Familien durch die Stadt Düsseldorf in Miltenberg-Nord und auf der Gemarkung der Nachbargemeinde Großheubach in der Nähe des Nordbahnhofs
 - ganz Unterfranken war Aufnahmeraum für Bürger aus dem Großraum Düsseldorf
• nach Kriegsende 1945:
 - Aufnahme von Vertriebenen, v.a. aus dem Sudetenland aufgenommen
 - Einrichtung eines Flüchtlingslagers in der früheren Truppführerschule des Reichsarbeitsdienstes, die bei Kriegsende als Lazarett gedient hatte
• 13. September 1950: 2.258 Heimatvertriebene (8.241 Einwohner insgesamt)

Wiederaufbau

Pläne und Ideen:

• nach Kriegsende 1945:
 - Hauptsorge des Stadtrats die Unterbringung der zugeteilten Flüchtlinge und Vertriebenen und der Wiederaufbau der Mainbrücke
 - keine Wiederaufbaupläne nachdem es keine großflächigen Zerstörungen gab
• 08. Mai 1945: erste Stadtratssitzung (Thema v.a. die Unterbringung der Flüchtlinge)
• seit Februar 1946: erfolgreiche Sammlung für eine neue Main-Brücke in der Bevölkerung, auf Initiative von Bürgermeister Schirmer

Umsetzung:

• Oktober 1945: Wiederaufnahme des kath. und evang. Volksschulbetriebs
• seit Juli 1945: Fährbetrieb über den Main, als Ersatz für die gesprengte Brücke
• seit August 1945: Planungen für eine neue Main-Brücke
• Anfang 1946: Wiederaufnahme des Schulbetriebs im „Kilianeum“
• 1948: Barackenbau am Stadtrand für die evang. Volksschule wegen stark steigender Schülerzahlen
• 1948 - 1950: Bau der neuen Main-Brücke
• April 1950: Wiedereröffnung der Main-Brücke
• 1951: Eröffnung des Amts- und Schulgebäudes des Landwirtschaftsamts mit Landwirtschaftsschule
• 1956: Einweihung der neuen Volksschule an der Wolfram-von-Eschenbach-Straße
• 1949 – 1962: Ausbau des Mains zur Großschiffahrtsstraße
• 1963 – 1965: Renovierung der evang. Kirche
• 1965: Gründung der Sonderschule (Heinrich-Ernst-Stötzner-Schule)
• 1967: Eröffnung des Museums am Schnatterloch
• 1970: Eröffnung des städtischen Hallen-Freibads
• 1970/1971: Ende des Schulbetriebs im „Kilinaeum“

Literatur

DEß, Helmut / MEHLING, Helmut: Die Miltenberger Volksschule – ein geschichtlicher Aufriß, in: 750 Jahre Stadt Miltenberg 1237 – 1987. Beiträge zur Geschichte, Wirtschaft und Kultur einer fränkischen Stadt. Hrsg. von der Stadt Miltenberg anlässlich des 750. Jahrestag ihrer ersten Erwähnung, Miltenberg 1987, S. 281 – 285, hier: S. 283 f.
ERHRAD, Wilhelm: 90 Jahre Evangelische Johanneskirche in Miltenberg, in: 750 Jahre Stadt Miltenberg 1237 – 1987. Beiträge zur Geschichte, Wirtschaft und Kultur einer fränkischen Stadt. Hrsg. von der Stadt Miltenberg anlässlich des 750. Jahrestag ihrer ersten Erwähnung, Miltenberg 1987, S. 241 – 255, hier: S. 250.
FREI, Roland: Die Heinrich-Ernst-Stötzner-Schule, in: 750 Jahre Stadt Miltenberg 1237 – 1987. Beiträge zur Geschichte, Wirtschaft und Kultur einer fränkischen Stadt. Hrsg. von der Stadt Miltenberg anlässlich des 750. Jahrestag ihrer ersten Erwähnung, Miltenberg 1987, S. 334 f., hier: S. 334.
SCHMITT, Norbert: Aus Kirchen- und Pfarrgeschichte von Miltenberg, in: 750 Jahre Stadt Miltenberg 1237 – 1987. Beiträge zur Geschichte, Wirtschaft und Kultur einer fränkischen Stadt. Hrsg. von der Stadt Miltenberg anlässlich des 750. Jahrestag ihrer ersten Erwähnung, Miltenberg 1987, S. 201 – 223, hier: S. 217.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 498.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 19.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 20.
WEIß, Josef / MÜLLER, Winfried: Das Kriegsende 1945. Hrsg. vom
Landkreis Miltenberg, Miltenberg 1995.
ZELLFELDER, Hans-Erich: Landwirtschaftsamt mit Landwirtschaftsschule in Miltenberg, in: 750 Jahre Stadt Miltenberg 1237 – 1987. Beiträge zur Geschichte, Wirtschaft und Kultur einer fränkischen Stadt. Hrsg. von der Stadt Miltenberg anlässlich des 750. Jahrestag ihrer ersten Erwähnung, Miltenberg 1987, S. 333.
INTERNET:
„Unheimlich gnädige Besatzung“. Miltenberg am Kriegsende 1945, Zeitzeugen berichten, online abrufbar unter: http://kommunal.blogsport.de/hintergrund/unheimlich-gnaedige-besatzung/ (15.01.2010).
http://www.stadt-miltenberg.de/kultur.html (15.01.2010).

DANK
Für weitere Auskünfte danken wir dem MUSEUM DER STADT Miltenberg.

Weitere Bilder