Atlas zum Wiederaufbau

Oberasbach

Oberasbachs Flakstellung gehörte seit 1939 zur Luftverteidigung Nürnbergs, weshalb der Ort deshalb mehrfach angegriffen wurde. Am 18.04.1945 wurde Oberasbach nach Gefechten von US-Truppen eingenommen. Evakuierte waren hier schon 1944 untergebracht worden, nach Kriegsende drängten Flüchtlinge und Heimatvertriebene in den Ort. Die Einwohnerzahl stieg von 2.851 im Jahr 1939 auf 12.580 im Jahr 1968.

Angriffe

• nach Kriegsbeginn 1939: Errichtung eines Luftabwehrzentrums mit Geschütz-, Scheinwerfer- und Horchgerätstellungen im Raum Kreutles-Oberasbach links und rechts der Bahnlinie Nürnberg-Ansbach
• seit 1939: häufige Dach- und Gebäudeschäden durch Flak- und Granatsplitter, da das Sperrfeuer der etwa 140 Luftabwehrgeschütze im Raum Nürnberg gegen feindliche Bomberverbände oft im Oberasbacher Luftraum konzentriert wurde
• 08./09. März 1943:
 - britischer Luftangriff auf Nürnberg mit 335 viermotorigen Bombern
 - Angriff der Flak-Stellungen im Raum Oberasbach-Kreutles durch britische Begleitmaschinen vom Typ „Raider“
 - Schäden im Stadtteil Altenberg
• 10./11. August 1943:
 - britischer Luftangriff auf Nürnberg mit
 - Oberasbach dabei ebenfalls von Bomben getroffen
• 1944: mehrfache Beteiligung der Flakbatterie Kreutles-Oberasbach an Abwehraktionen gegen feindliche Luftangriffe
• 18. Dezember 1944: Luftangriff auf die Bahnlinie
• bis Kriegsende 1945:
 - zahlreiche weitere Abwürfe bzw. Notabwürfe von Spreng- und Brandbomben
 - schwerere Angriffe in der Nacht vom 07./08. Januar 1945 und am 16. März 1945
 - gegen Kriegsende insbesondere Zunahme der Tieffliegerangriffe

Tote und Verletzte

• durch Luftangriff vom 10./11. August 1943:
 - 11 Tote
 - 6 Leicht- und Schwerverletzte
• durch eine deutsche Granate am 15. April 1945: 1 Tote

Schäden

• durch Luftangriff am 08./09. März 1943:
 - erhebliche Schäden in der Rothenburger Straße, der Oberasbacher Straße (heute Rangaustraße), der Weimarer, der Lauschaer und der Sonnenberger Straße
 - insgesamt melden 123 Einwohner Fliegerschäden an
• durch Luftangriff am 10./11. August 1943:
 - Bombenschäden v.a. in der Oberasbacher Straße
 - völlige Zerstörung von 4 Wohnhäusern und 15 Wohnungen
 - mittelschwere Beschädigung von 9 Wohnhäusern
 - leichte Beschädigung von 16 Wohnhäusern total
• vor dem US-Einmarsch am 18. April 1945:
 - Sprengung der Panzerversuchswerkstatt auf dem Hainberg
 - Sprengung der Fernabrücke, des Neumühlstegs und der Eisenbahnbrücke beim Großkraftwerk
• während des Einmarschs der US-Armee am 18. April 1945: Schäden in Altenberg, der Oberasbacher und der Rothenburger Straße durch Gefechte

Kriegsende

• 18. April 1945:
 - Kämpfe in Altenberg zwischen etwa 30 deutschen Soldaten sowie Volkssturmleuten gegen 400 Soldaten des 2. Bataillons des 242. US-Infanterieregiments
 - Beschuss des Gebiets um den Turmhügel durch US-Granatwerfer, -Panzer und -Infanterie
 - bis Mittag Einnahme der Stadt durch die US-Armee

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 2.851
1946: 3.925
1955: 5.998
1961: 7.717
1968: 12.580
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• ab Dezember 1944:
 - Einquartierung von Evakuierten und Luftkriegsgeschädigten
 - Aufnahme von Kindern im Rahmen der Kinderlandverschickung insbesondere aus dem saarländischen Raum
• bis Februar 1945: Aufnahme von 685 Evakuierten
• bis Ende 1946: durch Aufnahme von Flüchtlingen Bevölkerungsanstieg von 3.703 Personen um 516 auf 4.219 Einwohner
• bis Ende 1948:
 - Anstieg der Einwohnerzahl auf 4.542 Personen
 - darunter 3.698 Einheimische, 790 Flüchtlinge und 54 Ausländer

Obdachlose:

• durch Luftangriff vom 08./09. März 1943: mehrere obdachlose Familien
• durch Luftangriff vom 10./11. August 1943: ca. 30 Obdachlose

Wiederaufbau

Pläne und Ideen:

• 8. November 1946: Gemeinde übernimmt Kosten für die Aufräumungsarbeiten der am 18. April 1945 abgebrannen Anwesen
• Wohnungssituation im Dezember 1948: 1.705 Wohnungen mit 2.485 Wohnräumen für 4.542 Personen
• Ende 1948:
 - 69 Baugesuchen seit 1946
 - nur 9 fertiggestellte Wohnungen
• ab 1949: im Zuge der Bodenreform und Landabgabe erste Siedlungsprogramme:
 - gemäß der bisher rein bäuerlichen Struktur des Ortes erscheint im Rahmen des Primärzieles der Eingliederung der vertriebenen Bauernfamilien deren Ansiedlung auf Neubauernhöfen als eine erfolgversprechende Maßnahme
 - aufgrund der Nähe zu Nürnberg und der entsprechenden Nahverkehrsanbindung jedoch auch Berücksichtigung des Gedankens von Nebenerwerbs- und Kleinsiedlungen

Umsetzung:

• ab 1949: im Zuge der Ansiedlung und Eingliederung vertriebener Bauernfamilien zunächst Auslegung von 10 Vollerwerbsstellen mit je 6 bis 16 ha Landzulage und zweier Gärtnereien durch die Bayerische Landessiedlung-GmbH
• 1949:
 - Bau und Fertigstellung von 36 Wohnhäusern sowie 5 durch die Bayerische Landessiedlung auf der Petershöhe errichteten Doppelhäuser mit 20 Wohnungen
 - Instandsetzung der Straßenbeleuchtung
 - Wiedererrichtung einer Tankstelle
 - Einrichtung einer Poststelle in Unterasbach
 - Schaffung eines neuen Schulsaals im ehemaligen HJ-Heim
• 1949/1950: im Rahmen der Nebenerwerbs- und Kleinsiedlung Errichtung von 30 Häusern auf der „Grünen Wiese“ durch die Bayerische Landessiedlung-GmbH
• 1950:
 - Planungs- bzw. Bau-Beginn einer Wasserleitung, der Errichtung einer Abwasserkanalisation
 - Baubeginn der Erweiterung der Schulgebäude

Literatur

DRECHSLER, Ulla / u.a. (Hrsg.): Die Reihe Archivbilder. Oberasbach / Wiltshire/England 2003.
DRECHSLER, Johanna: Wie wir als Jugendliche den Alltag in der Kriegszeit von 1939 bis 1949 erlebten, in: Heimatkundliche Beiträge und Vereinsnachrichten 1 (2008), S. 24-28.
MAHR, Helmut: 8. Mai 1945, in: Mitteilungen 2 (1996), S. 2-25.
MAHR, Helmut: Oberasbach. Tausend Jahre und mehr, Oberasbach 1995.
SCHÜLLER, Richard: Oberasbach: 50 Jahre Tätigkeit der Bayerischen Landessiedlung, in: Bayerische Landessiedlung-GmbH 1996,1, S. 8-10.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 20.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 19.
WEIDENHÖFER, August: Nachkriegsmonate, in: Mitteilungen 2 (2002), S. 19-24.