Atlas zum Wiederaufbau

Olching

Seit 1944 fielen Bomben auf Olching, mehrere Anwesen wurden zerstört. Am 28./29.04.1945 marschierte die US-Armee kampflos in den Ort ein. 1950 zählte man 1.439 Heimatvertriebene bei 7.779 Einwohnern. Mithilfe der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft und eines Bau-Notgroschens förderte die Gemeinde den Siedlungsbau.

Angriffe

• 22. Februar 1944: US-Luftangriff
 - Abwurf von ca. 75 Sprengbomben und 150 bis 200 Brandbomben
 - ursprüngliches Angriffsziel wahrscheinlich Bahnlinie München-Augsburg oder Fliegerhorst Fürstenfeldbruck
• 15. Februar 1944: Luftkämpfe der deutschen Luftwaffe mit 7 US-Fliegerstaffeln in der Nähe von Olching (9 US-Flugzeuge abgeschossen)

Tote und Verletzte

• 22 Tote, darunter 3 Männer, 10 Frauen, 7 Kinder sowie 2 Fremdarbeiter
• 56 Verletzte

Schäden

• völlige Zerstörung oder schwere Beschädigung: 23 Gebäude
• leichte Beschädigung: 35 Gebäude
• Zerstörung oder Beschädigung wichtiger öffentlicher Gebäude:
 - Sakristei und Pfarrhaus
 - Umspannwerke
 - Mädchenschule
 - langer Riss in der Apsis der Pfarrkirche

Kriegsende

• 28. April 1945:
 - Aufmarsch einer Pioniereinheit der deutschen Wehrmacht mit dem Auftrag alle Brücken über die Amper zu sprengen
 - Sprengung der fünfjöchigen Eisenbahnbrücke fehlgeschlagen, da keine Sprengkammern vorgesehen
 - Versuch des Volkssturmführers Georg Moll Widerstand gegen US-Amerikaner zu organisieren scheitert an der Bevölkerung infolge des Aufrufs der „Freiheitsaktion Bayern“
• 29. April 1945: US-Vorausverbände in Olching
 - weiße Fahne als Zeichen der Kapitulation auf dem Kirchturm
 - Beschuss des Kirchturms durch SS Truppen
 - lediglich leichter Widerstand durch einen SS-Panzerverband von Geiselbullach aus

Spuren des Krieges

• im „Fabrikerhölzerl“ unweit des Birkenwegs bei den Amperauen bis heute sichtbare Vertiefungen durch Bombentrichter
• 10. Juli 1949: Ergänzung des Kriegerdenkmals um Namenstafeln der Olchinger Gefallenen des Zweiten Weltkriegs
• 1950: Denkmal im Ostteil des Olchinger Friedhofs zum Gedenken an Flucht und Vertreibung

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 5.431
1946: 7.249
1955: 4.814
1961: 5.994
1968: 8.788
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• bei Kriegsende: 150 „Fliegergeschädigte“ aus München sowie ca. 350 Heimatvertriebene in Olching
• nach Kriegsende: Heimatvertriebene in ehemaligen Pionierbaracken der Wehrmacht untergebracht
• bis Mai 1947: Aufnahme von 12.377, bis 1952 von 16.500 Heimatvertriebenen in Olching und Umgebung
• 13. September 1950: 1.439 Heimatvertriebene (7.779 Einwohner insgesamt in Olching)

Obdachlose:

• 140 Obdachlose
• bis 1949: in der Olchinger Umgebung 1.200 Menschen in Notquartieren untergebracht

Wiederaufbau

Pläne und Ideen:

• seit 1949: Aufbaufinanzierung der „Ampersiedlung“ im Dreieck zwischen Bahnlinie, Amperkanal und der Straße nach Neu-Esting durch Reinerlös des Olchinger Volksfests
• Februar 1949: Gründung der „Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft Olching-Gröbenzell eGmbH“ durch Konrad Bauer und Anton März, in Ergänzung hierzu Erhebung eines „Bau Notgroschens“ durch den Gemeinderat

Umsetzung:

• nach 1945: Firma „Meßgeräte Arthur Klemt“ als Wirtschaftspionier der Nachkriegszeit mit 130 Angestellten
• 1947/1948:
 - Anbau an die Gemeindekanzlei (altes Schulhaus) als Sitzungssaal und Bürgermeisterzimmer
 - Einrichtung der „Bahnhofs-Lichtspiele“ im Saalbau der Olchinger Bahnhofswirtschaft
 - Errichtung eines zweiten Kinos, der „Central-Lichtspiele“ an der Hauptstraße 34
• 28. Juli 1950: Richtfest für die ersten 24 Wohneinheiten der „Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft“
• 10. Juli 1951: Erhebung Olchings zur Marktgemeinde mit eigenem Wappen

Literatur

BAUER, Konrad: Geschichte der Gemeinde Olching, Dachau 1994, S. 109 - 123.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 490.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 20.
WOLLENBERG, Klaus: Das Kriegsende 1945, in: Der Landkreis Fürstenfeldbruck. Natur - Geschichte - Kultur, Fürstenfeldbruck 1992, S.266 - 271.

DANK
Für weitere Auskünfte danken wir dem BAYERISCHEN LANDESAMT FÜR STATISTIK und Datenverarbeitung.

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