Atlas zum Wiederaufbau

Penzberg

Seit 1944 fielen Bomben auf Penzberg. In der "Penzberger Mordnacht" wurde der ehemalige Bürgermeister Hans Rumme für den Versuch, den NS-Gemeinderat abzusetzen, am 28. April 1945 hingerichtet. Kurz darauf, am 30.04.1945, marschierten US-Truppen ein. Die kaum zerstörte Stadt wurde Anlaufstelle für Evakuierte, Flüchtlinge und Heimatvertriebene. Hatte die Einwohnerzahl 1939 6.773 betragen, stieg sie bis 1947 auf 9.459. Mit dem Bau neuer Siedlungen konnten die Barackenlager aufgelöst werden. 1950 wurde ein Generalbaulinienplan erstellt.

Angriffe

• 16. November 1944: Abwurf von ca. 30 Sprengbomben und Flugblättern über Penzberg

Tote und Verletzte

• durch Luftangriff vom 16. November 1944: 8 Tote und 20 Verletzte
• durch Erhängen oder Erschießen am 28. April 1945: 15 Tote

Schäden

• Schäden infolge des Angriffs vom 16. November 1944:
 - Zerstörung von 4 Wohnhäusern und der katholischen Stadtpfarrkirche
 - schwere Beschädigung von 7 Gebäuden
 - leichte Schäden an 2 Häusern
 - Strom- und Wasserversorgungsschwierigkeiten

Kriegsende

• 28. April 1945: „Penzberger Mordnacht“:
 - gegen 6.30 Uhr: Hans Rummer, Bürgermeister vor 1933, erwirkt die Stilllegung des Bergwergbetriebs unter Zusage des Verzichts auf Sprengungen
 - vormittags: Absetzung des nationalsozialistischen Bürgermeisters durch Rummer, Bildung einer Polizei und Vorbereitungen zur kampflosen Übergabe der Stadt an die vorrückende US-Armee
 - 10.30 Uhr: Umstellung des Rathauses durch Abteilungen eines Werferregiments der Wehrmacht
 - nachmittags: Meldung der „Penzberger Ereignisse“ an den NS-Gauleiter in München und Anordnung der Erschießung der „Aufwiegler“ durch den Gauleiter
- gegen 18.00 Uhr: Exekution Hans Rummers und 7 weiterer „Verschwörer“ wegen Hoch- und Landesverrats in der Nähe des Sportplatzes an der Bichler Straße
 - im Laufe des Abends: Hinrichtung weiterer 8 „Landesverräter“ durch Werwolfsangehörige und Fliegende Standgerichte
 - der Verurteilte Sebastian Tauschinger kommt mit dem Leben davon, als auf den bereits Gehängten geschossen, dabei jedoch der Strick getroffen wird
 - Franz Schwab kann nach der Verhaftung fliehen
 - 14. Juni bis 7. August 1948: Prozess gegen 16 Angeklagte in Penzberg (2 Todesurteile, 2 lebenslange Zuchthausstrafen, 5 weitere Zuchthaus- und Gefängnisstrafen, 7 Freisprüche)
• 30. April 1945: Besetzung der Stadt durch US-Armee

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 6.773
1946: 8.929
1955: 10.062
1961: 10.346
1968: 10.699
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• zwischen Januar und April 1945: Ankunft von 1.295 Flüchtlingen und Heimatvertriebenen (v.a. aus dem Sudetenland und Schlesien)
• notdürftige Unterbringung in rasch aufgestellten Baracken und Notunterkünften
• Ende Mai 1945: 574 Evakuierte und Bombengeschädigte aus Großstädten in Penzberg
• unmittelbar nach Kriegsende: Zuzug bzw. Niederlassung von 223 Ausländern
• 1947:
 - infolge der Zusammenführung von Flüchtlingsfamilien Anstieg der Einwohnerzahl auf 9.459, davon 1.657 Flüchtlinge
 - etwa 1.000 Menschen in Baracken untergebracht
• 1948:
 - 795 Personen in Baracken
• 13. September 1950: 2.022 Heimatvertriebene (9.935 Einwohner insgesamt)
• 1951:
 - Umzug von 17 der 68 im Lager „Wölfl“ untergebrachten Familien in normale Wohnungen
• 1952:
 - 612 Personen in Baracken
 - Anzahl der Flüchtlinge: 2.138
• 1955:
 - 152 Familien mit insgesamt 536 Personen in Barackenlagern
• 1958:
 - noch 471 Personen in Baracken

Obdachlose:

• infolge des Luftangriffs vom 16. November 1944: 40 Obdachlose

Wiederaufbau

Pläne und Ideen:

• 1950: Generalbaulinienplan
• 1954: Stadtratausschuss für Industrieansiedlung
• 1956: Bebauungsplan für das Baugebiet „Auf der Etz“
• 1957: Kanalisationsplan

Umsetzung:

• 1946:
 - Erschließung eines neuen Siedlungsgebiets in Steigenberg
 - Bau von 50 Einfamilienhäusern in der Langseestraße in Wölfl und beim Ökonomiehof des Bergwerks „An der Freiheit“ im Rahmen des Bergarbeitersiedlungsprogramms
• 1947:
 - Gründung der Volkshochschule
 - Evangelische Bekenntnisschule
 - Beseitigung der Luftschutzstollen in Heinz und Reindl
• 1948:
 - Wiedereröffnung der Volksbücherei
 - Denkmal für die Opfer des 28. April 1945
• 1949:
 - Entstehung des Ortsteils „Ruhe am Bach“
 - Beginn mit der Erweiterung des Friedhofs
 - weitere bauliche Erschließung des Siedlungsgebiets Steigenberg
• 1950:
 - Richtfest am Neubau der katholischen Stadtpfarrkirche
 - Übernahme von 4 Wohnbaracken des Bergwerklagers durch die Stadt sowie von 20 Siedlerstellen gegenüber dem Bayerischen Siedlerbund, die in Steigenberg entlang der Seeshaupter Straße errichtet werden
 - Regulierung der Loisach zwischen Maxkron und Beuerberg
• 1951:
 - Inbetriebnahme des Bundesbahnkraftwerks
 - Weihung der Stadtpfarrkirche „Christkönig“
 - Jugendwohnheim der Arbeiterwohlfahrt (Josef-Boos-Heim)
• 1952:
 - Bau eines zweiten Hochbehälters zur Verbesserung der Wasserversorgung (erster 1950)
• 1953:
 - Verbesserung und Erweiterung der Wasserversorgungsanlagen
 - Ausdehnung des Baugebiets Steigenberg nach Fischhaber
 - Eröffnung des Kindergartens der Arbeiterwohlfahrt
• 1955:
 - Baubeginn der Zentralschulhausanlage am Schwadergraben
 - Vergrößerung des Wohnungsbestands um 72 Wohnungen
 - Wiederaufbau der Edenhofer Brücke
 - neues Fabrikgebäude der Fa. B. und S. Frank
• 1956:
 - Elektrifizierung der bergwerkseigenen Bahnverbindung Sortierung-Nonnenwald
 - Verbesserung der Außen- und Untertageanlagen
• 1957/1958:
 - Krankenhausneubau
 - systematische Fortführung des Ortsstraßenausbaus und Anlage von Gehsteinen
 - Regulierung des Schwadergrabens
• 1959/1960:
 - neue Wasserversorgungsleitungen
 - Straßenausbau
 - Bau von 2 Schulturnhallen

Kirchen und Klöster

Kath. Kirche Barbara Penzberg

Kirchen und Klöster

Zerstörung: 16.11.1944

Literatur

GAST, Klaus: Das Kriegsende in der Heimat. Zum 60. Jahrestag des Endes des 2. Weltkrieges in Weilheim, Deutenhausen / Marnbach. Weilheim 2005.
LORENZ, Georg: Die Penzberger Mordnacht vom 28. April 1945 vor dem Richter. Zusammengestellt nach Presseberichten des Hochland-Boten. Garmisch-Partenkirchen 1948.
LUBERGER, Karl: Geschichte der Stadt Penzberg, 3. erg. Aufl. [Penzberg] 1985.
LUBERGER, KARL (Hrsg.): 75 Jahre Stadt Penzberg. Lebensfrohe und aufstrebende Stadt im bayerischen Oberland. Festschrift zur 75-Jahr-Feier. 1919 - 1994, Penzberg 1994.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 492.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 18.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 19.