Atlas zum Wiederaufbau

Schwabmünchen

Seit 1940 kam es zu mehreren Luftangriffen auf Schwabmünchen, 60% der Häuser im Ort wurden dabei zerstört oder beschädigt. Am 26.04.1945 wurde die Stadt kampflos an die US-Truppen übergeben. Der Flüchtlingszustrom ließ die Bevölkerung stark anwachsen, 1953, im Jahr der Stadterhebung, waren 38% der etwa 6.400 Einwohner Heimatvertriebene.

Angriffe

• Anfang Juni 1940: erste Bombenabwürfe in der Umgebung Schwabmünchens ( Bobingen, Königsbrunn, Graben, Schwabmünchner Wertachauen)
• 04. März 1945: US-Luftangriff
 - ca. 100 Flugzeuge
 - Abwurf von 3 Bombenteppichen mit ca. 500 Spreng- und 8.000 bis 10.000 Stabbrandbomben

Tote und Verletzte

• durch Luftangriff am 04. März 1945:
 - 61 Tote
 - ca. 35 Schwer- und Leichtverletzte

Schäden

• durch Luftangriff am 04. März 1945:
 - 117 Häuser völlig zerstört, darunter 45 Wohngebäude und 68 landwirtschaftliche oder gewerbliche Betriebsgebäude
 - 60% aller Häuser/Gebäude der Stadt zerstört oder beschädigt, davon 23% völlig zerstört, 6% schwer und 31,5% mittel oder leicht beschädigt
 - insgesamt Beschädigung von über 485 Gebäuden
 - schwere Schäden an 22 Wohngebäuden und 26 landwirtschaftlichen oder gewerblichen Gebäuden
 - leichte und mittlere Schäden an 252 Gebäuden
 - Beschädigung der Wasserleitung an den Hauptstellen
 - vollständiger Ausfall der Strom-, Gas- und Fernsprechleitungen
 - Unterbrechung der Bahnverbindung durch 2 Volltreffer auf den Bahnkörper
 - Verkehrsbehinderungen an allen wichtigen Straßenzügen durch Volltreffer
 - 69 Groß- und 14 mittlere Brände

Kriegsende

• 26. April 1945: kampflose Übergabe der Stadt an die US-Armee

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 4.169
1946: 5.613
1955: 6.492
1961: 7.260
1968: 7.502
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• Unterbringung der Flüchtlinge:
 - 1946: Aufstellung einer Wohnbaracke für Flüchtlinge
 - 1947: weitere Bereitstellung von Baracken, Grundstücken und Gebäuden für Flüchtlinge und Heimatvertriebene
 - 1948: Ausweisung eines Schrebergartengeländes für Flüchtlinge
• Anzahl von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen:
 - gegen Ende der 1940er Jahre: dauerhafte Niederlassung von 1.420 Heimatvertriebenen in Schwabmünchen (22,2% der Gesamtbevölkerung)
 - 13. September 1950: 1.420 Heimatvertriebene (6.404 Einwohner insgesamt)
 - 1953: 2.476 Flüchtlinge (38% der Gesamtbevölkerung)

Obdachlose:

• durch Luftangriff am 4. März 1945: 151 Familien mit insgesamt 543 Personen obdachlos

Wiederaufbau

Pläne und Ideen:

• August 1945: Beschluss des Gemeinderats zum Wiederaufbau, v.a. von Schulen und Wohnungen
• 1946:
 - Bildung eines Bauausschusses zur Behebung der Bombenschäden
 - erste Überlegungen bezüglich einer gezielten Industrialisierung des Ortes
• 1947: Bebauungsplan für die Wertachauen
• 1954: Erhebung eines Notgroschens für die Förderung des Wohnungsbaus
• 1955: Genehmigung des Bebauungsplans Taubensiedlung

Umsetzung:

• unmittelbar nach dem 04. März 1945: Beginn der ersten Wiederaufbaumaßnahmen
• zwischen 04. März 1945 und 31. Mai 1946: Wiederaufbau von 89 total zerstörten Wohnungen
• 1945 - 1952:
 - Baugesuche über Errichtung von 231 Wohnhäusern, 34 Wohn- und Geschäftsanwesen, 150 Betriebsgebäuden und 318 sonstigen Bauwerken
• 1945 - 1948:
 - Wiederaufnahme der Produktion in der Weberei Holzhey
 - Wiederinbetriebnahme des Gaswerks
 - Beginn mit Kanalisationsarbeiten
 - Bau einer neuen Wehranlage zum Schutz gegen Hochwässer (Singoldwehr)
 - Neubegründung der Kleinkinderbewahranstalt
 - Beschaffung von Baumaterial für einen Schulhausneubau
 - Fertigstellung der Schule an der Frühlingstraße
 - Fertigstellung der Markt- und Viehwaage
• 1949:
 - Beitritt der Gemeinde mit 30 Anteilen zur Gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgenossenschaft für den Landkreis Schwabmünchen
 - Eröffnung eines neuen Kinos an der Museumsstraße
 - Wiederinbetriebnahme des Volksbades
 - Wiederinbetriebnahme der gemeindlichen Singschule
 - Überlegungen zur Wiedereinführung der Pferde-, Rinder- und Schweinemärkte
 - technische Verbesserung des Gaswerks
 - behelfsmäßiges Jugendheim im Schulgarten
• 1950:
 - Einweihung der neu erbauten Pfarrkirche St. Michael
 - Erstellung von 2 Wohnblöcken mit je 8 Wohnungen am Taubentalweg
 - Fertigstellung des Waag- und Feuerhauses
 - Umfunktionierung des Flüchtlingslagers an der Fuggerstraße in ein Wohnlager
 - Geburtsjahr der „Wertachsiedlung“
• 1951:
 - Bau der Landwirtschaftsschule
 - Erweiterung des Telefonnetzes
 - Fertigstellung der Kanalisation in der Alpenstraße
 - Erweiterung des Krankenhauses
 - Abtragung der Mauerreste des ehemaligen Schrannengebäudes auf gleiche Höhe
 - Erweiterung der Kanalisation und der elektrischen Straßenbeleuchtung
 - Errichtung des ersten öffentlichen Kinderspielplatzes
• 1952:
 - Instandsetzung der Gehwege
 - Erweiterung der Siedlung im Taubental
 - Überlegungen zur Errichtung einer Mittelschule
 - Fertigstellung des Altersheims der Arbeiterwohlfahrt
 - Bau der Ferngasleitung
• 1953:
 - Juni 1953: Erhebung Schwabmünchens zur Stadt
 - Juli 1953: 1000-Jahrfeier der Stadt
 - Erweiterung des Friedhofs
• 1954:
 - Fertigstellung von 22 neuen Wohnungen durch die Bau- und Siedlungsgenossenschaft
 - Erschließung des Baugeländes östlich der Gartenstraße sowie weiteren Baugrunds in der "Wertachsiedlung"
 - Errichtung einer Krankenpflegeschule am Krankenhaus
 - Wiederbelebung des Großvieh- und Schweinemarktes
 - Gründung des Volksbildungswerks für den Landkreis
 - neuer Tiefbrunnen
• 1955:
 - Erwerb von Grundstücken rechts der Wertach durch die Stadt zur Erweiterung der "Wertachsiedlung" (immer noch 220 Wohnungssuchende)
 - Vergabe von 25 Bauplätzen in der "Wertachsiedlung"
 - Eröffnung der Mittelschule
 - Instandsetzung und Umbau des Rathauses
• 1956:
 - Übergang der Geyerburg aus Staatsbesitz an die Stadt
 - Stilllegung der städtischen Obstverwertungsanlage
 - Errichtung der evangelisch-lutherischen Stadtpfarrei
 - Ausbau des Kanalnetzes und vollständige Elektrifizierung der Straßenbeleuchtung
• 1957:
 - Bau von 4 Wohnblocks für Bundeswehrangehörige
 - Bau des evangelischen Gemeindehauses
 - Volksschulneubau
• 1958:
 - Einführung der städtischen Müllabfuhr
 - Bau einer neuen Turnhalle (Jahnhalle)
 - Schwesternwohnheim am Krankenhaus
 - Beseitigung der letzten Kriegsruine (Anwesen Lämmer)
• 1959:
 - Fertigstellung eines neuen Schulhauses am Wasserturm (St. Ulrich)
• 1960:
 - Draht- und Leuchtstoffwerk OSRAM

Kirchen und Klöster

Kath. Kirche St. Michael Schwabmünchen

Kirchen und Klöster

Zerstörung: 04.03.1945
Wiederaufbau: 1947-1954

Literatur

JAHN, Joachim: Schwabmünchen. Geschichte einer Schwäbischen Stadt, Schwabmünchen 1984.
PFANDZELTER, Elmar: Schwabmünchen, Horb am Neckar 2002.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 500.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 19.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 20.
WAGNER, Richard: Ende und Neuanfang, Schwabmünchen 1980.