Atlas zum Wiederaufbau

Simbach am Inn

Bevor die US-Truppen am 01./02.05.1945 nach Simbach einmarschierten, kam es zu Gefechten und Tieffliegerangriffen. 1945 sammelten sich 2.000 Flüchtlinge in Simbach, sie wurden in improvisierten Massenunterkünften und Privatquartieren untergebracht. 1950 zählte man unter den 7.484 Einwohnern 1.977 Heimatvertriebene.

Angriffe

• März und April 1945: US-Tieffliegerangriffe, v.a. auf die Einsenbahnstrecke Mühldorf-Simbach-Pöcking
• ab April 1945: Simbach als Lazarettstadt von Angriffen kaum betroffen
• 30. April 1945:
 - US-Luftangriff auf das Postamt (Fernsprechzentrale)
 - US-Luftangriff auf den Bahndamm

Tote und Verletzte

• durch Tieffliegerangriff im März und April 1945: mehrere tote Einsenbahner
• durch Luftangriff am 30. April 1945:
 - mehrere Tote im Postamt
 - 1 Schwerverletzter im Postamt (einige Tage später den Verletzungen erlegen)
 - mehrere Verletzte
 - mehrere Tote der Flak-Stellung, die das Feuer auf die angreifenden US-Flieger eröffnet hatte

Schäden

• durch Luftangriff im März/April 1945: Zerstörung des MÜHLDORFER Bahnhofs
• durch Luftangriff am 30. April 1945:
 - kleine Schäden in der Münchner Straße (Grundstück Landsmann)
 - Zerstörung des südlichen Teils des Postamts mit der Fernmeldezentrale
 - Zerstörung der Gleisanlagen an mehreren Stellen
während des US-Einmarsches am 01. Mai 1945:
 - schwere Schäden am Gasthaus Schätz nach Panzerbeschuss
 - Ausbrennen des Schuhhauses Grünberger nach US-Artillerie-Warnschuss, der eigentlich Richtung Braunau gezielt hatte

Kriegsende

• 25. März 1945: Zusammenstellung einer Volkssturmeinheit für Simbach
• 21. April 1945: Erklärung Simbachs zum Kriegslazarett
• Ende April 1945: Durchzug von Wehrmachtseinheiten und Kriegsgefangenentransporten durch Simbach
• 30. April 1945:
 - SS-Befehl zur Räumung des Wald-Cafés Heinzelspitze und der Siedlung Mooseck
 - Nichtausführung des SS-Befehls
 - Flucht der SS-Einheiten in Richtung Salzburger Raum
 - US-Fliegerangriffe auf das Postamt und die Gleisanlagen
• 01. Mai 1945:
 - Vorrücken der US-Einheiten
 - Panzeralarm in Simbach
 - Räumung des vom Volkssturm besetzen Rathauses
 - erste US-Panzerspitzen in Simbach, Besetzung des Rathauses
 - Hissen von weißen Fahnen und Tüchern an den Simbacher Häusern
 - Sprengung der beiden Innbrücken durch deutsche Soldaten von Braunau aus
 - kampfloser Einmarsch der US-Armee
 - US-Beschuss Braunaus von Simbach aus
• 02. Mai 1945:
 - Entsendung von Simbachs Bürgermeister Dr. Rostock nach Braunau durch die US-Truppen um die Übergabebedingungen zu überbringen
 - zunächst Weigerung der Übergabe, später kampflose Übergabe Braunaus und Einmarsch der US-Armee in die Stadt

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 5.030
1946: 7.858
1955: 7.535
1961: 7.015
1968: 7.075
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• nach Kriegsende 1945:
 - großer Zustrom von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen
 - Unterbringung von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen in Schulsälen und Privatquartieren
• 1945: über 2.000 Flüchtlinge und Heimatvertriebene in Simbach am Inn
• 1949: 1.840 Heimatvertriebene in Simbach
• 13. September 1950: 1.977 Heimatvertriebene (7.484 Einwohner insgesamt)
• 1951: 2.007 Heimatvertriebene in Simbach

Wiederaufbau

Umsetzung:

• Mai 1945: Bau einer Ponton-Brücke über den Inn durch die US-Truppen zum Übersetzen von Truppen und Fahrzeugen (neben der gesprengten Straßenbrücke)
• Sommer 1945: Wiederaufnahme des Eisenbahnverkehrs
• August 1945 – Februar 1946: Beseitigung der Trümmer beider Innbrücken
• seit 1945: langsamer Wieder-/Neubau der Straßenbrücke
• 1946:
 - Beginn des Schulbetriebs (02. Januar)
 - Arbeitsbeginn im „Simsa“-Werk in Kirchberg bei Simbach
 - Arbeitsbeginn im „Heraklith“-Werk in Simbach
 - Aufnahme einer Fährverbindung über den Inn nach Österreich (Mai)
 - Abzug der letzten US-Besatzungssoldaten (Juni)
 - notdürftige Wiederinstandsetzung der Einsenbahnbrücke (bis Dezember)
• 1947 - 1949: Abbruch des Simbacher Brückentores
• 1949/1950: rege Bautätigkeit von privater, öffentlicher und genossenschaftlicher Hand
• 1950:
 - Eröffnung der neugebauten Straßenbrücke nach Braunau für den Fußgängerverkehr
 - Umbau des Knabenschulhauses
 - Erweiterungsbau der Volksschule
 - Gründung der Österreichisch-Bayerischen Kraftwerke AG (ÖBK)
 - Bau einer Wohnsiedlung mit 11 Blöcken mit 56 Wohnungen an der Simon-Breu-Straße durch die Gemeinnützige Wohnungsbau-GmbH
• 1950 – 1975:
 - große Bauwelle in Simbach mit 650 Neubauten
 - Entstehung völlig neuer Stadtteile, z.B. der Lengdorfer Siedlung, der Rennbahn-Siedlung, großer Teile der Gartenstraße, des Wohngebiets der Heinzelspitze und viele der Neubauten am Kreuzberger Weg
• ab 1951:
 - Bau von Wohnblöcken in der Törringstraße
 - Bau von Wohnblöcken nördlich der Rennbahn
 - Bau von Wohnblöcken in der Simon-Breu-Straße
 - Bau von Wohnblöcken in der Gartenstraße
• 01. Januar 1951: Erhebung Simbachs zur Stadt
• 16. Mai 1951:
 - Stadterhebungsfeier in Simbach
 - Eröffnung der neuen Straßenbrücke nach Braunau
• 1951 - 1953: Bau der Inn-Staustufe Simbach-Braunau durch die Innwerke AG im Auftrag der ÖBK; Kraftwerksbau die damals „größte Baustelle Deutschlands“
• 1952 - 1954: Umbau der Berufsschule durch die Stadt
• Juli 1954:
 - Bezug des neuen Verwaltungsgebäudes der ÖBK in Simbach
 - Katastrophenhochwasser durch den Simbach (im Gegensatz zum Inn noch nicht ausgebaut)
• 1954/1955: Bau eines neuen Schulgeländes am Kirchenplatz
• 1955: Bau eines neuen Altenheims
• seit 1956: Pläne zum Ausbau des Simbachs als Reaktion auf das Hochwasser von 1954
• 1956/1957: Erweiterungsbau am Tassilo-Gymnasium
• 1957: Umbau und Renovierung der Pfarrkirche St. Marien im Innern (Entfernung aller Säulen)
• 1958:
 - Ausbau des Simbachs
 - Neubau der Birndorfer Brücke
• 1963 – 1965: Bau der evang. Gnadenkirche
• 1964: Bau des Schwimmbades (das erste deutsche Schwimmbad mit Aluminiumbecken)
• 1964 – 1966: Bau des neuen Kreiskrankenhauses
• 1969:
 - Einweihung der Dreifaltigkeitskirche in Simbach-West
 - Einstellung des Betriebs der Lokalbahn Simbach-Pöcking durch die Deutsche Bundesbahn
• 1970:
 - Bau des neuen Pumpwerks am Innufer
 - Bau einer Turnhalle für das Tassilo-Gymnasium
• 1972: Eingemeindung von Kirchberg, Eggstetten, Erlach und Kirchberg im Zuge der Gebietsreform
• 1972 - 1974:
 - Bau der Kläranlage
 - Bau der Hauptschule in Obersimbach
 - Bau der großen Sporthalle

Literatur

EITZLMAYR, Max / VIERLINGER, Rudolf: Braunau-Simbach - Nachbarstädte am Inn. Aus der wechselvollen Geschichte der beiden Städte ab dem Jahre 1779. Hrsg. von Rudolf Vierlinger, 2. Aufl., Simbach a.I. 1980, S. 134 - 161.
HIERETH, Sebastian / VIERLINGER, Rudolf: Die Geschichte der Stadt Simbach am Inn. Hrsg. von Rudolf Vierlinger mit Unterstützung der Stadt Simbach am Inn und des Wanderer- und Verschönerungs-Vereins, Simbach a.I. 1975, S. 27 f., S. 116, S. 104, S. 194, S. 226 - 232, S. 238 - 288.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 492.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 19.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 20.

DANK
Für weitere Auskünfte danken wir dem STADTARCHIV Simbach a.I.

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