Atlas zum Wiederaufbau

Starnberg

Seit 1943 fielen mehrfach Bomben auf Starnberg. Nach der Einnahme durch US-Truppen strömten Flüchtlinge und Heimatvertriebene in den Ort, 1950 lag ihr Anteil bei 1.878 von 8.540 Einwohnern insgesamt. Durch die Nähe zu München wurde ein Bauboom ausgelöst, dem viele ältere Gebäude zum Opfer fielen.

Angriffe

• 06. September 1943: Luftangriff
 - Abwurf von Phosphorbomben auf das
Seerestaurant „Undosa“ und das Wohn- und
Wirtschaftsgebäude der Gärtnerei Stückle
 - Sprengbombenabwürfe auf den Almeida-Berg und auf Petersbrunn
• 13. Juni 1944: US-Luftangriff mit Abwurf von Splitterbomben auf eine Gruppe von Feuerwehrleuten vor dem Feuerwehrhaus in der Ferdinand-Maria-Straße
• bis Kriegsende 1945: vereinzelte Bombenabwürfe

Tote und Verletzte

• durch US-Luftangriff vom 13. Juni 1944:
 - 9 tote Feuerwehrleute
 - 1 schwerverletzter Feuerwehrmann

Schäden

• im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont, vereinzelte Sachschäden

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 5.846
1946: 8.540
1955: 9.635
1961: 10.497
1968: 10.555
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• nach Kriegsende 1945:
 - Zustrom von Flüchtlingen, Heimatvertriebenen und DPs
 - Verpflegung der Flüchtlinge, Heimatvertriebenen und DPs u.a. im Undosa
• 13. September 1950: 1.878 Heimatvertriebene (8.540 Einwohner insgesamt)

Wiederaufbau

Umsetzung:

• 1946: Wiederaufnahme des Schulbetriebs (seit Mai 1945: Starnberger Schulgebäude von der US-Armee besetzt)
• 1947: Bau einer neuen Schule in Percha
• 1949: Weihe von 3 neuen Stahlglocken der kath. Kirche St. Maria (im 2. Weltkrieg: Abgabe von 3 der 4 alten Bronze-Glocken zur Waffenherstellung)
• 1950:
 - Ausbau der Verbindungsstraße München-Weilheim und Neuregelung der Verkehrsführung nach Possenhofen
 - Maibaumaufstellung erstmals auf dem Tutzinger Hofplatz
• 1952: Bau eines weiteren Schulhauses für die Volksschule Starnberg
• Juli 1954: Weihe von drei neuen Stahlglocken für die evang.-luth. Kirche in Starnberg (seit
1979 „Friedenskirche“) (1942 mussten zwei von drei Glocken an das Kriegswirtschaftsamt abgegeben werden)
• 1955:
 - außer-Dienst-Stellung der „München“, des letzten Schaufelraddampfers auf dem Starnberger See
 - Inbetriebnahme der „Seeshaupt“, des größten Motorschiffs mit Dieselmotor, für 1.200 Personen
• 1956: Umbau des Hauses Vordermühlstraße 3 von einem Gefängnis in ein Wohnhaus
• 1960:
 - Bebauung des kleinen Parks im Süden des Tutzinger Hofplatzes durch ein Bank-Gebäude
 - Schließung des Lochmannhauses wegen Einsturzgefahr (darin das Heimatmuseum untergebracht)
• seit 1960: Sanierung des Lochmannhauses (erst 1985: Wiedereröffnung des „Heimatmuseums der Stadt Starnberg“ im Lochmannhaus)
• 1960er und 1970er Jahre:
 - Abbruch vieler alter Gebäude in Starnberg
 - anhaltender Bauboom
• 1963: Eröffnung des renovierten Würmgau-Museums
• 1964: Aufgabe der Bachschmiede, einer von ehemals 2 Schmieden in Starnberg
• 1965: Umzug der Bayerischen Rechtspflegerschule von Dachau nach Starnberg
• 1968: Eröffnung des Zubringers zur Autobahn A8 München-Garmisch-Partenkirchen
• 1968/1969: umfassende Renovierung des Starnberger Schlosses, dabei Abbruch des „Pfleghauses“ und Wiederherstellung des bis ins 19. Jahrhundert vorhandenen zweiten nördlichen Giebels
• 1971/1976: Erwerb zweier Grundstücke (ehemaliger Sportplatz und ehemaliges Sägewerk) durch die Stadt Starnberg für das geplante neue Landratsamt (Bau 1987)
• 1972: Umbau des Starnberger Rathauses
• Anfang der 1970er Jahre: Errichtung des Stadtmarkts Starnberg (SMS)
• 1972 – 1978: im Zuge der Gebietsreform:
 - Eingemeindung von Hadorf, Hanfeld, Landstetten, Leutstetten, Percha, Perchting, Söcking und Wangen
 - Reduzierung der eigenständigen Gemeinden im Landkreis Starnberg auf 14
• seit 1972: Anschluss Starnbergs an das Münchner S-Bahn-Netz
• 1976: Innen-Renovierung der evang. Friedenskirche
• 1978: Abbruch des baufälligen Undosa-Bades (Weiterführung des Restaurants)

Literatur

AMELUNGSE-KURTH, Astrid / KIENZLE, Annette: Kulturspaziergang durch Starnberg. Geschichte und Geschichten zwischen See und Schloss, Berg am Starnberg See 2006.
BEIGEL, Hans / KNAB, Otto-Michael / ZELLNER Hans: Heimatbuch Stadt Starnberg. Hrsg. von der Stadt
Starnberg, Starnberg 1972, S. 133.
DIX, Gerhard: Starnberg, München 1982.
RANK, Gertrud / SCHMID, Michael: Ein Stück vom Himmel. Kunsthistorische Einblicke in die Starnberger Kirchenlandschaft, Starnberg 2008 (= Starnberger Stadtgeschichte, Bd. 4).
LANDKREIS STARNBERG (Hrsg.): Unser Landkreis Starnberg. Eine Broschüre des Landkreises, 2. Aufl., Bamberg 1985.
RÖTH, Matthias: Historischer Rundgang durch das Gebäude der Evangelisch-Lutherischen Kirche (seit 1979 "Friedenskirche") in Starnberg. Hrsg. vom Evangelisch-Lutherisches Pfarramt Starnberg, 2. Auflage, Starnberg 2009, S. 5 f.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 492.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 19.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 19.
WÜNNENBERG, Rolf: Fünfseenland, München 1970.

DANK:
Für weitere Informationen danken wir dem STADTARCHIV Starnberg.

INTERNET:
http://www.starnberg.de/index.php?id=277 (23.01.2010).