Atlas zum Wiederaufbau

Straubing

Straubing war das Ziel von fünf Luftangriffen, der schwerste davon ereignete sich am 18.04.1945. 460 Menschen kamen dabei ums Leben, 29% der Bausubstanz wurden beschädigt. Nach Kriegsende 1945 wurden zeitweilig 14.000 Flüchtlinge untergebracht. Bis 1950 zählte man noch 6.997 Heimatvertriebene bei einer Bevölkerungszahl von 36.147. In Straubing wurden neue Siedlungen am Stadtrand gebaut, die Infrastruktur modernisiert. In der Innenstadt wurden Baulücken in traditionsgebundener Form geschlossen.

Angriffe

• seit Oktober 1941 Luftalarme
• insgesamt 5 US-Luftangriffe
• schwere Luftangirffe am 04. November 1944, 20. Dezember 1944 und 05. Februar 1945
• 18. April 1945: schwerster Angriff: „schwärzester Mittwoch Straubings“
 - 2.058 Bomben
 - Angriffsziel: Bahnhof
• 20.-22. April 1945: US-Tieffliegerangriffe

Tote und Verletzte

• insgesamt durch Luftangriffe: ca. 460 Tote
• durch schwersten Luftangriff am 18. April 1945: allein über 310 Tote

Schäden

• durch schwersten Luftangriff am 18. April 1945:
 - Zerstörung oder schwere Beschädigung von 337 Gebäuden, u.a. der Friedhofskirche St. Michael, der evangelische Kirche und des Hotels Neumayer
 - leichtere Beschädigung von 269 Gebäuden
 - Schäden insgesamt an 606 Gebäuden, u.a. an der Schule St. Jakob, der Pflegeanstalt und des Bahnhofs
• durch Luftangriffe insgesamt:
 - 29% der Bausubstanz in Straubing bombengeschädigt
 - Straubing an 9. Stelle der zerstörten bayerischen Städte
 - Schäden v.a. im Stadtsüden, entlang der Gleisanlagen und der Altstadt um St. Peter
 - historische Neustadt kaum betroffen

Kriegsende

• April 1945: Panzersperren durch Volkssturm errichtet
• 26. April 1945: Sprengung der inneren und äußeren Donaubrücke durch SS-Einheiten
• 28. April 1945: kampflose Einnahme Straubings durch die US-Armee

Spuren des Krieges

• einige Behelfsbauten in der Bahnhofsstraße erhalten (z.B. Bahnhofsstraße 8)
• auf dem Friedhof St. Michael Spuren eines Bombeneinschlags sowie Einschüsse eines Tieffliegerangriffs sichtbar
• auf dem Waldfriedhof Ehrenfeld (Massengrab) für die Opfer der Luftangriffe und die in den Lazaretts verstorbenen Soldaten
• auf dem Friedhof St. Peter Massengrab der Opfer der Luftangriffe und der im Lazarett verstorbenen Soldaten
• seit 1963: Ehrenmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (im mittelalterlichen Pulverturm)

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 28.962
1946: 34.271
1954: 36.327
1955: 36.761
1961: 36.348
1968: 37.084
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• August 1945:
 - ca. 14.000 Flüchtlinge und Heimatvertriebene in Straubing
 - Unterbringung in 20 Lagern, u.a. in den ehemaligen Reichsarbeitsdienst-Baracken bei Muckenwinkling
• 1946: 4.830 Flüchtlinge in Straubing
• November 1946: 2.550 Displaced Persons (DPs) in Straubing, darunter viele DPs jüdischen Glaubens, da die Straubinger Synagoge intakt blieb
• 10. Oktober 1948: 7.950 Flüchtlinge und Heimatvertriebene in Straubing (36.806 Einwohner)
• Juni 1950: 540 DPs in Straubing
• 13. September 1950: 6.997 Heimatvertriebene (36.147 Einwohner insgesamt)
• 06. Juni 1961:
 - 7.563 Flüchtlinge und Heimatvertriebene in Straubing (Einwohner: 36.348)
 - 30.578 katholische Einwohner, davon 4.399 Heimatvertriebene
 - 5.247 protestantische Einwohner, davon 3.164 Heimatvertriebene
 - 63 jüdische Einwohner
• insgesamt blieben rund 8.000 Flüchtlinge und Heimatvertriebene in Straubing

Obdachlose:

• durch Luftangriffe, v.a. durch den schwersten am 18. April 1945: ca. 3.000 Obdachlose

Wiederaufbau

Umsetzung:

• nach Kriegsende:
 - Wiederherstellung von Wohnungen
 - neue Wohnviertel bzw. Stadtteile im Süden und Osten (hier Straßennamen vergeben nach den ehem. dt. Ostgebieten und -städten)
 - Bau von Notbrücken
• Infrastruktur:
 - 1949/1950: Wiederherstellung der zerstörten Brücken
 - Neubau von Straßen
• Wohnungsbau:
 - Wohnungsbau v.a. durch Baugenossenschaften und Städtische Wohnungsbau
 - 1963 erstes Hochhaus Straubings in der Arberstraße fertiggestellt
• Schulen:
 - 1947: Gründung der Volkshochschule
 - 1947: Gründung der Mädchenrealschule bei den Ursulinen
 - 1953/1954: Volksschule St. Josef (Stadtsüden)
 - 1957: Gründung der Staatlichen Knabenrealschule
 - 1959: Joseph-von-Fraunhofer-Berufsschule
 - 1961: Deutsches Gymnasium
 - 1964: Ulrich-Schmidl-Volksschule (Stadtosten)
• Kirchen:
 - 1954: katholische Kirche St. Josef (in Nachfolge einer Notkirche) an der Rennbahnstraße
 - 1956: katholische Kirche St. Michael auf der Point (für Pfarrei St. Peter)
 - 1957: evangelische Christuskirche an der Bahnhofsstraße (in Nachfolge der zerstörten Kirche)
 - 1963: evangelische Versöhnungskirche an der St. Nikola-Straße
 - 1963/1964: katholische Kirche und Pfarrei St. Elisabeth in der Oppelnerstraße
 - 1966 Friedhofskapelle (in Nachfolge der zerstörten Kirche)
• Freizeit:
 - 1957: Freibad
 - 1967: Kunsteisstadion
• Wirtschaft:
 - Neugründungen von Firmen, besonders im Maschinenbau- und Bekleidungssektor, v.a. durch Heimatvertriebene
 - Gewerbe- und Industriegebiet im Osten

Kirchen und Klöster

Kath. Kirche St. Michael Straubing

Kirchen und Klöster

Zerstörung: 1944-1945

Literatur

ERWERT, Helmut: Feuersturm, Zigarettenwährung und Demokratie. Zeit des Umbruchs 1945 - 1948 in der Stadt Straubing und in der Region Straubing-Bogen, Straubing 1998, S. 68 - 159 und S. 250 - 291.
HUBER, Alfons / PRAMMER, Johannes (Hrsg.): 1100 Jahre Straubing 897–1997, Straubing 1998.
KRENN, Dorit-Maria: Kleine Straubinger Stadtgeschichte, Regensburg 2012.
MOOSER, Bruno / KRENN, Dorit-Maria: Zeitsprung. Bilder einer Stadt 1953-1967, Straubing 2007.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 492.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 18.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 18.

DANK
Für weitere Auskünfte danken wir dem STADTARCHIV und dem GÄUBODENMUSEUM Straubing.

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