Atlas zum Wiederaufbau

Taufkirchen bei München

Seit 1943 kam es zu mehreren Bombenabwürfen auf Taufkirchen, ehe am 01.05.1945 US-Truppen einmarschierten. Der Ort war kaum beschädigt. Schon während des Zweiten Weltkriegs kamen Evakuierte aus München nach Taufkirchen, bei Kriegsende auch Displaced Persons und Heimatvertriebene. Durch den Zustrom verdoppelte sich die Einwohnerzahl 1946 nahezu. Die Infrastruktur wurde ausgebaut, der Wohnungsbau erfolgte meist von privater Hand.

Angriffe

• Taufkirchen von Bombenabwürfen meist durch Einzel- oder Notabwürfe im Zusammenhang mit Luftangriffen auf München betroffen
• 02./03. Oktober 1943:
 - Luftangriff
 - eine schwere Bombe fällt 100m vom südlichen Ortsrand entfernt in eine Wiese
• Juni 1944: weitere Luftangriffe bzw. Bombenabwürfe auf Taufkirchen
• 22. September 1944: Absturz eines feindlichen Flugzeugs östlich von Bergham, kurz außerhalb des Anwesens Glas
• 21. Dezember 1944: Abwurf von 49 Bomben auf den Potzhamer Flur
• 25. April 1945: kleinerer Luftangriff von Einzelfliegern auf Neubiberg

Tote und Verletzte

• durch Luftangriff am 12. Juli 1944: 2 Tote
• durch Luftangriff auf München am 17. Dezember 1944: 1 toter Taufkirchner
• in den Wirren des Kriegsendes: 2 Personen ermordet

Schäden

• trotz der Nähe zu München nur geringe Kriegsschäden
• durch Luftangriff am 02./03. Oktober 1943:
 - schwere Schäden an mehreren Häusern bzw. Hausdächern
 - schwere Schäden an der Kirche
• durch Luftangriff am 09. Juni 1944:
 - Zerstörung der Villa Lindenhof in Taufkirchen-Westsiedlung am Waldrand
 - Zerstörung des Stadels des Anwesens Liebhart (Saxhuber) in Westerham durch 7 Sprengbomben
• durch Luftangriff am 12. Juli 1944:
 - Zerstörung von 3 Häusern am westlichen Waldrand
 - Schäden durch Spreng- und Brandbomben an Anwesen in der Grünwalderstraße
 - Zerstörungen an Bahngleisen und Bahnanlagen durch Bombenteppich zwischen dem Westlichen Wald und der Bahn (Angriff wohl Flugplatz Neubiberg gegolten)
• durch Tieffliegerangriff oder Abwehrfeuer der deutschen Flak am 25. April 1945: Ausbrennen des langen Stadels des Bauern Haberl

Kriegsende

• 01. Mai 1945:
 - Hissen weißer Fahnen am Kirchturm trotz SS-Präsenz im Raum Taufkirchen
 - ungestörter und kampfloser Einmarsch der US-Armee
• 02. Mai 1945: Einrichtung eines Sammellagers für deutsche Gefangene im Kalbhof in Potzham
• 03. Mai 1945: Abzug der US-Armee aus der Gemeinde

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 836
1946: 1.521
1955: 1.644
1961: 1.601
1968: 1.548
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• 1944/1945: 250 Bombenflüchtlinge in Taufkirchen
• bis und nach Kriegsende:
 - 150 Evakuierte aus München
 - 279 Flüchtlinge, überwiegend aus dem Sudetenland
 - ca. 250 Displaced Persons
• bis Ende 1946: Unterbringung von ca. 800 Flüchtlingen und Heimatvertriebenen in Taufkirchen
• 1945 - 1946: innerhalb eines Jahres Verdoppelung der Einwohnerzahl von ca. 800 auf 1.521, überwiegend durch Zustrom von Flüchtlingen

Wiederaufbau

Umsetzung:

• 1950: Erweiterung des Friedhofs an der Nordseite
• 1951:
 - Beginn mit der Arrondierung der Grundstücke westlich der Bahnlinie
 - 1.601 Einwohner leben in 384 Wohnungen
 - erste Arztpraxis in Taufkirchen
• 1953/54: Erhöhung der elektrischen Anlagen im Dorf allgemein auf 200 Volt
• 31. Oktober 1954: Sender Wendelstein strahlt erstmals 2 Stunden Fernsehprogramm aus
• 1957: neues Gemeinde-Wappen (Stammwappen des alten Ortsadels)
• 1958: Neubenennung der Straßen und Umnummerierung der Häuser
• 1959: Einführung der „Hausunratabfuhr“
• 1960:
 - Einweihung des Schulhauses an der Dorfstraße mit Lehrerwohnhaus
 - Grundbuchumschreibung der früheren Ortsvermögen auf die Gemeinde Taufkirchen
• 1961: Gründung des Zweckverbands zur Abwasserbeseitigung im Hachinger Tal
• 1962:
 - Bachmühle stellt als letzte der 5 Mühlen den Betrieb ein
 - Gründung SV Taufkirchen
 - erste öffentliche Telefonzelle am Rathaus
• 1967: Bau der Kanalisation
• 1969: Baubeginn der Siedlung am Wald (Fläche 1 Mio. qm)

Literatur

Für Auskünfte danken wir dem GEMEINDEARCHIV Taufkirchen bei München und dem BAYERISCHEN LANDESAMT FÜR STATISTIK und Datenverarbeitung.

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