Atlas zum Wiederaufbau

Tirschenreuth

Im April 1945, also kurz vor dem Einmarsch der US-Truppen, fielen Bomben auf Tirschenreuth. Mehrere Gebäude wurden beschädigt oder ganz zerstört. Die Einwohnerzahl stieg durch Flüchtlingszustrom an. 1950 zählte man 1.586 Heimatvertriebene bei 7.539 Einwohnern insgesamt. Ab 1949 wurde deshalb der soziale Wohnungsbau intensiviert.

Angriffe

• Dezember 1944: Abwurf einer Fliegerbombe bei Rothenbürg

• 09. April 1945:

- Fliegerangriff auf Tirschenreuth

- Abwurf der Bomben außerhalb der Stadt

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Angriffe auf die benachbarte Stadt Mitterteich:

• 08. April 1945:

- Überfliegen Mitterteichs durch ein alliiertes Bombergeschwader

- dabei 1 Bombenabwurf auf Mitterteich

- wahrscheinliches Ziel: Glaswerk

• 16. April 1945:

- Tiefflieger-Angriff durch 2 Flugzeuge

- Ziel: Zug auf der Bahnstrecke Eger-Wiesau in der Nähe des Mitterteicher Friedhofs

• Ende April 1945: in den letzten Kriegstagen nahezu ständige Gefahr durch Tiefflieger

Tote und Verletzte

• 20. April 1945: Hinrichtung eines deutschen Soldaten wegen Fahnenflucht

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In der benachbarten Stadt Mitterteich:

• durch Bombenexplosion am 08. April 1945: 4 Tote

• durch Tieffliegerangriff am 16. April 1945: 14 Tote

• 19. April 1945: Hinrichtung eines deutschen Soldaten wegen Fahnenflucht

Schäden

• durch Bombenexplosion am 08. April 1945: Zerstörung des Hauses des Landwirts Will

• kriegsbedingte Zerstörung von Wohnraum im Landkreis Tirschenreuth insgesamt:

- leichte Beschädigung von 350 Gebäuden

- mittlere Beschädigung von 41 Gebäuden

- völlige Zerstörung von 173 Gebäuden

Kriegsende

• Anfang April 1945: Errichtung von Panzersperren durch den Volkssturm

• 20. April 1945:

- Beschluss, die Stadt Tirschenreuth nicht zu verteidigen

- Auflösung des Volkssturms und Beseitigung der bereits vorhandenen Panzersperren

- Ausweisung Tirschenreuths als Lazarettstadt durch die lokalen Befehlshaber, ohne das Wissen des Wehrmacht-Oberkommandos

• 21. April 1945: am Nachmittag Einnahme der Stadt durch US-amerikanische Truppen

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In der benachbarten Stadt Mitterteich:

• 20. April 1945: Sprengung der Eisenbahnbrücke nach Pechbrunn der Eisenbahnstrecke Mitterteich-Waldsassen (Eger)

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 5.502
1946: 7.496
1955: 7.792
1961: 7.913
1968: 8.167
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• 23. Januar 1945: Räumung des Mädchenschulhauses als Unterbringungsquartier für die ersten eintreffenden Flüchtlingstrecks aus dem Osten

• Anfang 1945: Umfunktionierung des HJ-Heims und des Blauen Schulhauses in Flüchtlingslager

• Februar - Juni 1945: Anstieg der Bevölkerung im Landkreis Tirschenreuth durch Flüchtlinge von 45.202 auf 60.166 Personen

• Februar - September 1945: Bevölkerungsanstieg im Landkreis Tirschenreuth um 45,3%.

• Dezember 1945: 14.320 Flüchtlinge im Landkreis Tirschenreuth

• Februar - Oktober 1946:

- Ankunft von 584 Transporten mit rund 570.600 Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland in Wiesau

- in Wiesau Verpflegung und Weiterleitung der Menschen in die bayerischen und hessischen Zielorte

- Niederlassung zahlreicher Heimatvertriebener im Stiftland um Tirschenreuth

• Dezember 1949: "Höchststand" mit 16.944 Flüchtlingen im Landkreis

• 13. September 1950: 1.586 Heimatvertriebene (7.539 Einwohner insgesamt)

• Unterbringung der Flüchtlinge in Tirschenreuth:

- in Fabrik- und Gewerbegebäuden

- im Missionshaus

- in öffentlichen Räumen

- in Privatquartieren

Wiederaufbau

Pläne und Ideen:

• nach 1945: trotz der relativ geringen Zerstörung von Wohnraum hat im Landkreis Tirschenreuth der Wohnungsbau infolge des Flüchtlingszustroms Priorität

Umsetzung:

• bis 1949: bei offiziell gemeldeten Baumaßnahmen handelt es sich mehrheitlich um Aus- bzw. Umbaumaßnahmen zur Schaffung zusätzlichen Wohnraums an bzw. in bereits bestehenden Gebäuden

• April 1949 und März 1950: Genehmigung von über 400 Baugesuchen im Landkreis Tirschenreuth

• 1949:

- Beginn des sozialen Wohnungsbaus in Tirschenreuth durch den „Bauverein Tirschenreuth“ mit der Errichtung eines 12-Familienhauses

- Bau eines Mehrfamilienhauses mit 16 Wohneinheiten in Tirschenreuth durch die „Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft mbH des Landkreises Tirschenreuth“

• 1950: Bau eines 33-Familienwohnblocks in Tirschenreuth durch die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft

• 1952:

- Bau eines 12- und eines 9-Familienwohnblocks durch das Katholische Wohnungsbau- und Siedlungswerk Regensburg

- Bau von 3 Wohnblöcken mit 48 Wohneinheiten durch die Landeswohnungsfürsorge im Rahmen eines gezielten Umsiedlungsprogramms in Tirschenreuth

• 1954:

- Bau von 12 Wohneinheiten der Bayerischen Wohnungs- und Siedlungsbau GmbH

- Bau von 12 Wohneinheiten der Wohnungsbaugesellschaft Tirschenreuth

Literatur

ANONYMUS: Geschichtsportrait Tirschenreuth, Zeitungszusammenstellung, o.O. 2007.

BRANDL, Matthias: Flüchtlingshilfe nach dem Zweiten Weltkrieg in Tirschenreuth, Regensburg, o.J. (gedruckte Abschlussarbeit).

BRUNNER, Johann / GLEIßNER, Max: Geschichte der Stadt Tirschenreuth, Tirschenreuth 1982, S. 589-626.

PANZER, Albert: 850 Jahre Mitterteich, Kleiner Lobpreis auf eine alte Stadt. Historische und autobiographische Notizen, Weiden 1985.

HELM, Albert: „Drittes Reich“ – Weltkrieg – Das bittere Ende – Wiederaufbau, in: Mitterteich im Wandel der Zeiten, Weiden 1986, S. 65-72.

STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 494.

STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 19.

STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 20.


DANK

Für hilfreiche Hinweise danken wir Herrn Hubert Wenisch, Mitterteich.