Atlas zum Wiederaufbau

Treuchtlingen

In den letzten Kriegsmonaten wurde Treuchtlingen mehrfach aus der Luft angegriffen, Hauptziel war der Bahnknotenpunkt. Hunderte Menschen starben, etwa ein Drittel der Stadt wurde zerstört. Beim Einmarsch der US-Truppen Anfang Mai 1945 kam es vereinzelt zu Gefechten. Flüchtlinge strömten in die Stadt, ein Durchgangs- und Vertriebenenlager wurde errichtet. 1961 zählte man 2.034 Heimatvertriebene (6.689 Bewohner insgesamt).

Angriffe

• 23. Februar 1945:
 - Tieffligerangriff auf einen Gleisbautrupp bei den Bahnanlagen
 - Luftangriff aus Richtung Schambach auf das Gebiet des Altmühlgrunds zwischen Kästleinsmühle und Bahngelände mit 12 Flugzeugen
 - Luftangriff auf das Bahnhofsviertel mit 150 schweren und schwersten Bomben
 - Luftangriff auf das Gebiet zwischen Bahnhof und Gasthof „Zur Krone“
 - bei allen 3 Luftangriffen insgesamt Abwurf von ca. 700 Bomben
• 08. April 1945: Luftangriff auf das Krankenhaus
• 10. April 1945: Tieffliegerangriff auf einen Güterzug
• 11. April 1945: Luftangriff auf das Bahnhofsgelände und die städtischen Werksanlagen mit 48 Flugzeugen und Abwurf von ca. 100 Spreng-, Spring- und Brandbomben

Tote und Verletzte

• durch Luftangriffe vom 23. Februar 1945:
 - insgesamt 586 Tote (259 tote namentlich bekannte Soldaten, 83 tote namentlich unbekannte Soldaten, 117 tote einheimische Männer, Frauen und Kinder, 108 tote auswärtige Zivilisten, 19 tote unbekannte Zivilisten)
 - über 500 Verletzte
• durch Luftangriff vom 11. April 1945:
 - zahlreiche Tote
 - zahlreiche Verletzte

Schäden

• durch Luftangriffe vom 23. Februar 1945:
 - völlige Zerstörung der Kästleinsmühle
 - Zerstörungen und schwere Schäden im Bahnhofsviertel, v.a. um die Städtischen Werke
 - schwere Schäden am Elektrizitätswerk(daher tagelanger Stromausfall)
 - Zerstörung von 281 Häusern mit insgesamt 646 Wohnungen im Gebiet zwischen Bahnhof und Gasthof „Zur Krone“
 - insgesamt Zerstörung von ca. 33% der bebauten Fläche Treuchtlingens
• durch Luftangriff vom 08. April 1945: zur Hälfte Zerstörung des Krankenhaus
• durch Tieffliegerangriff vom 10. April 1945:
 - Explosion eines Munitionswagens
 - dadurch Bruch aller restlichen Fensterscheiben in der Bahnhofsgegend
 - Schäden an den verbliebenen Bahnanlagen
• durch Luftangriff vom 11. April 1945:
 - Zerstörung großer Teile der Betriebswerkstätten des Bahngeländes
 - Zerstörung des Unterführung am Krankenhaus
 - schwere Schäden bei den städtischen Versorgungsanlagen, u.a. Teile des Wasserrohrnetzes (dadruch Unterbrechung der Wasserzufuhr in einigen Stadtvierteln für mehrere Wochen) und Teile des Stromnetzes (dadruch Unterbrechung des Stromnetzes für mehrere Tage)
 - schwere Schäden an öffentlichen Gebäuden rechts der Altmühl, u.a. Schäden am Krankenhaus und am Hilfskrankenhaus (ehem. Realschulgebäude)

Kriegsende

• Anfang Mai 1945:
 - Vorbereitungen zur Sprengung der beiden Altmühlbrücken an der Straße nach Schambach durch einen Sprengmeister der Wehrmacht
 - Verhinderung der Sprengung einer der Brücken durch die Zerschneidung der bereit brennenden Zündschnur durch den Treuchtlinger Franz Beckert (unter der Brücke war die gesamte Wasserversorgung Treuchtlingens verlegt)
 - Sprengung der anderen Altmühlbrücke
 - einzelne Schusswechsel zwischen der deutschen Wehrmacht in Möhren und US-Truppen in Schambach
 - Abzug der deutschen Wehrmacht aus dem Raum Treuchtlingen
 - kampfloser Einmarsch der US-Armee

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 4.660
1946: 5.221
1955: 6.371
1961: 6.689
1968: 7.314
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• nach Kriegsende 1945:
 - Eintreffen von hunderten Flüchtlingen und Heimatvertriebenen in Treuchtlingen, v.a. aus dem Sudetenland (61%) und Schlesien (22%)
 - große Unterbringungsprobleme wegen der Zerstörung von rund 33% der bebauten Fläche durch die Luftangriffe
 - behelfsmäßige Unterbringung in Gaststätten und Schulen
• 1946:
 - Einrichtung des Durchgangs- und Vertriebenenlagers auf der Wülzburg über Weißenburg für bis zu 1.200 Menschen
 - Einquartierung der Flüchtlinge in private Unterkünfte in den umliegenden Orten
 - Bau von Notwohnungen für die Flüchtlinge
• ab 1947: Entstehung von landsmannschaftlichen Zusammenschlüssen und Vereinen
• 13. September 1950: 1.067 Heimatvertriebene (5.838 Einwohner insgesamt)
• 1961: 2.034 Flüchtlinge (6.689 Einwohner insgesamt)

Wiederaufbau

Umsetzung:

• nach Kriegsende 1945:
 - Instandsetzung der Bahnanlagen und der öffentlichen Einrichtungen
 - teilweise behelfsmäßige Reparaturen an Straßen, Brücken, Versorgungsleitungen und Wohnungen
• 1946/1947: Instandsetzung und dabei Verbreiterung der Bahnunterführung an der Oettinger Straße
• 1947: Gründung des „Schlesischen Heimatvereins, Sitz Treuchtlingen“
• ab Ende der 1940er Jahre:
 - schneller wirtschaftlicher Wiederaufstieg, u.a. durch Betriebsgründungen, v.a. auch von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen
 - erste Großbetriebsgründung 1947: Maschinenfabrik Stöckermann mit 80 Arbeitsplätzen)
 - insgesamt Schaffung von 380 neuen Arbeitsplätzen
• 1949:
 - Erweiterung des städtischen Friedhofs
 - Freiwillige Feuerwehr wieder einsatzbereit
 - Gründung der „Ortsgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft“
• 1949/1950: Wiederaufbau des Mittelschulgebäudes
• 1950: erstes Treuchtlinger Volksfest „im früheren Umfang“ nach 1945
• 1951: Neubau für die „Versehrtenwerkstätte“ des evang. Stadtpfarrers Julius Kleber an der Dürerstraße
• 1951/1952:
 - Bau einer Siedlung für heimatlose Ausländer (DPs) durch die Bundesvermögensstelle
 - Bau von 33 Wohnungen an der Ansbacher Straße durch die Wohnungsbaugenossenschaft Bayern
• 1951 - 1953: Erweiterungsbau am Krankenhaus
• 1951 - 1957: Bau von 7 Wohnblocks mit 52 Wohnungen durch das Evanglische Siedlungswerk und Unterstützung der „Selbsthilfe-Siedlung“ der Buchländer am Patrich
• 1952: Ergänzung der städtischen Mädchenmittelschule durch eine staatliche Knabenmittelschule
• 1955:
 - Bau eines Kindergartens an der Hochgerichtstraße
 - Bau der mechanischen Kläranlage an der Möhrenbachmündung
• 1955/1956: Bau der „Pendlerblöcke“ am Brühl mit 24 Wohneinheiten
• 1956:
 - Eröffnung der großen Bahnunterführung an der kath. Kirche
 - Gründung des Volksbildungswerks Treuchtlingen
• 1956 - Ende der 1960er Jahre: Stadtverschönerung
 - Abriss von Nachkriegs-Baracken und -Behelfsheimen
 - Renovierungen
 - Neubauten
 - Anlage von Grünflächen und Alleen
 - Aufstellung von Brunnen und Plastiken
• 1958:
 - Bau einer neuen Brücke an Stelle der 1945 gesprengten Altmühlbrücke
 - dabei Verlegung der Wasser- und Gasleitungen sowie der Kanalisation als Düker
 - erster Neubau-Abschnitt an der Volkschule mit 9 Schulsälen an der Hahnenkammstraße
 - Bau eines neuen Bahnmeisterei-Gebäudes an der Stelle des ehem. Bahnbeamtenhauses
 - Bau der Knotenvermittlungsstelle für das Telephonortsnetz in der Elkan-Naumburg-Straße
• 1958/1959: Bau des Altenheims
• 1958 - 1961: Anlage einer Kriegsgräberstätte mit Mahnmal am Westhang des Nagelbergs
• 1961: Errichtung eines neuen Postgebäudes, des Knotenpostamts für Brief- und Paketverkehr, neben dem Bahnhof
• 1963: Einweihung des evang. Patrich-Gemeindehaus
• 1964:
 - Einweihung des Erweiterungsbaus an der Mittelschule
 - Bau einer neuen Bahnüberführung nach Gstadt
 - Eröffnung der Bezirkssportanlage am Burgstall
 - Neubau des Sparkassengebäudes in der Bahnhofstraße
• 1966: Eröffnung der zweiten Straßenbrücke über die Altmühl im Zuge der neuangelegten Promenade
• 1967:
 - zweiter Neubau-Abschnitt an der Volksschule mit 8 Klassenzimmern, Fachräumen, Aula, Turnhalle und Gymnastikraum
 - Errichtung des Berufsgenossenschaftlichen Schulungsheims am Patrich
• 1968: staatliche Anerkennung Treuchtlingens als „Erholungsort“
• 1968/1969: Neubauten für das Staatliche Fortamt und die beiden Treuchtlinger Forstdienststellen an der Bürgermeister-Sommer-Straße
• 1969:
 - Gründung des „Naturparks Altmühltal (Südliche Frankenalb)“
 - daher Anlage von neuen Wander- und Spazierwegen sowie eines Natur- sowie eines Waldlehrpfades
 - Bau des Freizeitheims bei der Bezirkssportanlage und Schaffung vielfäliger Freizeitmöglichkeiten um das Freizeit- und Erholungsheim (Spielplatz, Kindereisenbahn, Jugend-Verkehrsgarten, Sportpfad, etc.)
 - Ersetzen der alten „Donnerbrücke“ über die Altmühl durch eine moderne Konstruktion
 - Ausbau des Straßennetzes, u.a. der St2216 als Zubriunger zur B2, sowie der St2230
 - Aufstellen der „Denkmalslok“, einer Dampflokomotive der Baureihe 01, an der Promenade, als Erinnerung an die Blütezeit des Bahnknotenpunkts Treuchtlingen vor der Elektrifizierung ab Mitte der 1960er Jahre
• 1971 - 1975: mehrere Betriebs-Neubauten an der Elkan-Naumburg-Straße und an der Ansbacher Straße, u.a. Firma Ferdinand Winter (Maschinen für leonische Industrie) sowie BayWa
• 1971 - 1978: im Zuge der bayerischen Gebietsreform:
 - Eingemeindung von Bubenheim, Graben, Grönhart und Schambach (alle 1971), Haag, Auerheim, Wettelsheim, Windischhausen, Gundelsheim, Möhren, Metzendorf und Schertnershof (alle 1972), sowie Dietfurt (1978)
 - Auflösung des Landkreises Weißenburg und Schaffung des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen incl. der bis dato kreisfreien Stadt Weißenburg (1972)
 - Treuchtlingen, die bis dahin größte Stadt im Altlandkreis Weißenburg, wurde zur drittgrößten Stadt und als Unterzentrum eingestuft
• 1972 - 1974: Bau einer Gesamtschule
• 1973:
 - Eröffnung des Hallenwellenbades
 - Einrichtung eines Heimatmuseums in einem ehem. Fabrikgebäude an der Heinrich-Aurnhammer-Straße
• 1974:
 - Bau der Aussenanlagen des Hallenwellenbades
 - Schließung des Flussbades in der Altmühl
• 1975: Eröffnung des evang. Kindergartens

Literatur

ANON.: Treuchtlingen nach 1945, in: Heimat- u. Bäderverein Treuchtlingen e.V., Gesamtbearb. Josef Lidl (Hrsg.): Heimatbuch Treuchtlingen, Treuchtlingen 1984, S. 196 - 225.
MEIDINGER, Otto: Bomben auf Treuchtlingen, in: Heimat- u. Bäderverein Treuchtlingen e.V., Gesamtbearb. Josef Lidl (Hrsg.): Heimatbuch Treuchtlingen, Treuchtlingen 1984, S. 183 - 187.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 498.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 19.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 20.
ZÖRKLER, Johann: Aus den letzten Kriegstagen in Treuchtlingen (Nach Mitteilungen von Franz Beckert, Schmiedemeister in Treuchtlingen), in: Heimat- u. Bäderverein Treuchtlingen e.V., Gesamtbearb. Josef Lidl (Hrsg.): Heimatbuch Treuchtlingen, Treuchtlingen 1984, S. 187 f.
DERS.: Flüchtlinge und Vertriebene nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Treuchtlingen. Ihre Eingliederung und ihr Einsatz beim Wiederaufbau, in: Heimat- u. Bäderverein Treuchtlingen e.V., Gesamtbearb. Josef Lidl (Hrsg.): Heimatbuch Treuchtlingen, Treuchtlingen 1984, S. 190 - 192.

DANK:
Für weitere Auskünfte danken wir der STADT Treuchtlingen.

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