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Die bayerische Verfassung von 1919

Am 7. November 1918 rief Kurt Eisner in München den Freistaat Bayern aus. Bayern war nun kein Königreich mehr. Die Herrschaft der Königsfamilie Wittelsbach endete ohne Kampf und ohne Gewalt. König Ludwig III. trat aber offiziell nicht zurück. Er sagte nur, dass Beamte, Soldaten und Offiziere ihren Treueeid zum König nicht mehr einhalten mussten. Kurt Eisner wurde der erste Ministerpräsident Bayerns.

Im Januar 1919 wählte die bayerische Bevölkerung zum ersten Mal den neuen Landtag. Aus diesem sollte sich dann eine neue Regierung bilden. Jetzt durften erstmals auch Frauen wählen und politisch aktiv sein! Kurt Eisner (USPD) verlor die Wahl. Johannes Hoffmann (SPD) wurde neuer Ministerpräsident. Seine Regierung arbeitete mit anderen Parteien zusammen. So entstand eine Koalition, also eine gemeinsame Regierung mehrerer Parteien: der SPD, BVP und der DDP.

Am 12. August 1919 beschloss der Landtag eine neue Verfassung. Sie wird Bamberger Verfassung genannt, weil Regierung und Landtag seit April in Bamberg waren. Im April/Mai 1919 war es in München aufgrund der Revolution zu chaotisch und gewalttätig, da viele Gruppen um die Macht kämpften.

Bayern war nun eine parlamentarische Demokratie. Das Parlament, also der Landtag, stand im Zentrum dieser Verfassung und damit der Demokratie. Frauen und Männer ab 21 Jahren durften wählen. Der Landtag wählte den Ministerpräsidenten, beschloss Gesetze und kontrollierte die Regierung. 

In der Verfassung standen bereits einige Grundrechte. Bürgerinnen und Bürger konnten sich an den Bayerischen Staatsgerichtshof wenden, wenn ihre Rechte verletzt wurden. Das war damals nur in Bayern möglich!

Allerdings war die Weimarer Reichsverfassung, das war die Verfassung des Deutschen Reichs, wichtiger als die Bayerische Landesverfassung. Wenn ein Gesetz des Deutschen Reichs einer bayerischen Regel widersprach, galt das Reichsgesetz. Das ist auch heute so: Das Grundgesetz ist wichtiger als die Landesverfassungen. Das Prinzip nennt man: Bundesrecht bricht Landesrecht.

Ab 1933 hatte die Bamberger Verfassung fast keine Bedeutung mehr. Die Nationalsozialisten schafften die Demokratie ab, verfolgten ihre politischen Gegner und regierten ohne freie Wahlen. Adolf Hitler übernahm als „Führer“ die Macht. Eine solche Herrschaft nennt man Diktatur.

Arbeitsaufträge

  1. Erstellt in Kleingruppen ein Reel oder einen Social Media Post, in dem ihr den Inhalt der Erklärung Kurt Eisners in eigenen Worten verständlich zusammenfasst. (Material 1).
  2. Analysiert in Partnerarbeit die Wahlplakate von DDP und BVP (Material 3 und 4).
    1. Beschreibt die Plakate genau. Welche Symbole, Farben und Texte werden benutzt?
    2. Erklärt, was die Plakate aussagen sollen und wie die einzelnen Parteien versuchen, die Wählerschaft von sich zu überzeugen.
    3. Vertiefungsaufgabe: Vergleicht die Wahlplakate mit einem modernen Wahlplakat der letzten/ aktuellen Landtagswahl in Bayern. Welche Unterschiede oder Gemeinsamkeiten findet ihr?
  3. Beschreibt und erklärt in Partnerarbeit die wichtigen Inhalte der bayerischen Verfassung. Verwendet dafür Material 5 und 6.