November 1918: Am Ende des Ersten Weltkriegs wollten die Menschen in Bayern nicht mehr kämpfen. Ungefähr 200.000 bayerische Soldaten waren gestorben. Viele andere kamen schwer verletzt oder traumatisiert nach Hause zurück. Außerdem gab es nicht genügend Lebensmittel. Deshalb streikten im Januar 1918 mehr als eine Million Menschen im Deutschen Reich. Sie arbeiteten nicht mehr und forderten Frieden, genug Essen und Demokratie. Im Frühling und Sommer 1918 wurde immer klarer, dass das Deutsche Reich den Krieg nicht gewinnen konnte. Viele Menschen waren enttäuscht. Die Bevölkerung hatte kein Vertrauen mehr in die Monarchie, also in die Herrschaft eines Königs aus der Familie Wittelsbach.
Der Friedensaktivist Kurt Eisner bemerkte das. Am 7. November 1918 rief er in München den Freistaat Bayern, also eine Republik, aus. Die Königsherrschaft endete damit ohne Gewalt. Bayern war kein Königreich mehr. Kurt Eisner von der Partei USPD wurde Ministerpräsident.
Eisner wollte, dass die Menschen stärker in der Politik mitbestimmen konnten. Er und seine Unterstützer führten außerdem wichtige Veränderungen in Bayern ein: Den Acht-Stunden-Arbeitstag und das Frauenwahlrecht.
Das Ende der Königsherrschaft und die großen politischen Veränderungen nennt man Revolution. Durch eine Revolution verändert sich die politische Ordnung in kurzer Zeit grundlegend.
Am 12. Januar 1919 wurde der Bayerische Landtag gewählt. Zum ersten Mal durften auch Frauen wählen! Die USPD und Kurt Eisner erhielten aber weniger als drei Prozent der Stimmen. Als Eisner zurücktreten wollte, wurde er von einem rechtsgerichteten Attentäter erschossen.
Danach wurde Johannes Hoffmann von der SPD Ministerpräsident Bayerns. Nun ging es um eine wichtige Frage: Sollte Bayern eine parlamentarische Demokratie oder eine sozialistische Räterepublik werden?
Die politische Linke hatte Angst, dass die neuen Entwicklungen und Erfolge wieder verloren gehen könnten. Deshalb riefen sie in München die „Räterepublik Baiern“ aus. Die bayerische Regierung zog wegen der gefährlichen Lage sogar nach Bamberg um. Schon am 13. April 1919 entstand eine zweite Räterepublik, diesmal nach sowjet-kommunistischem Vorbild. Es kam vor allem in München zu gewalttätigen Kämpfen. Reichswehr und Freikorps schlugen die Räterepublik blutig mit Gewalt nieder. Am 2. Mai 1919 endeten die letzten Kämpfe in München.
Am 15. September 1919 trat die „Bamberger Verfassung“ in Kraft. Bayern war nun eine parlamentarische Demokratie.
Bildet Kleingruppen. Untersucht gemeinsam das Foto von der Theresienwiese und den Tagebucheintrag (Materialien 1 und 2).
ruhig – wütend - neugierig –friedlich –unruhig –gewalttätig – abwartend – nervös
Zusatzaufgaben/ Differenzierung:
Nach dem Umsturz in der Hauptstadt München verbreitete sich die Revolution über ganz Bayern. Auch in anderen Regionen Bayerns kam es zu vielen Rätegründungen und nach der Ermordung Kurt Eisners zu Räterepubliken. Das ist ein Herrschaftsprinzip, das vor allem auf die Mitwirkung und Entscheidung bestimmter Bevölkerungsgruppen wie Arbeiter, Bauern und Soldaten setzt. Sucht in der Ausstellung zur Revolution und Räterepubliken in Bayern 1918/19 auf www.bavarikon.de nach Informationen zu eurem Heimatort.