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Emil Julius Gumbel

Statistiker, Pazifist und Publizist

Der aus jüdischem Elternhaus in München stammende Mathematiker Emil J. Gumbel ist ein hartnäckiger Kritiker der deutschen Justiz. 

1921/22 veröffentlicht er Übersichten zu den politischen Morden und ihrer gerichtlichen Sühne in Deutschland nach Kriegsende 1918: 354 Morden von rechts stehen 22 Morde von links gegenüber, wobei die Morde von rechts, wenn überhaupt, nur milde, die von links jedoch sehr hart bestraft werden.

1924 untersucht Gumbel die Verbrechen der deutschen nationalistischen Geheimbünde nach dem Ersten Weltkrieg. Ihre Blutspur führt oft nach Bayern. 

Gumbel wird angefeindet und 1932 nach anhaltenden Protesten der rechten Studentenschaft von der Uni Heidelberg als Professor entlassen.

Biogramm

19101914Studium der Mathematik und Nationalökonomie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Promotion in Staatswissenschaften                                  
1914/15Zunächst als Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg, bald aber Entwicklung zum politisch aktiven Pazifisten
1917Eintritt in die USPD
1922Wechsel zur SPD
1923

Habilitation an der Universität Heidelberg; anschließend dort Dozent für Statistik

In der Folge mehrere Disziplinarverfahren wegen als anstößig empfundener, pazifistischer Bemerkungen

1925/26Forschungsaufenthalt in Moskau
1930Ernennung zum außerordentlichen Professor an der Universität Heidelberg
1932Entlassung aus dem Universitätsdienst nach anhaltenden Protesten gegen ihn durch Anhänger der „nationalen Studentenschaft“ („Gumbel-Krawalle“)
1933Emigration nach Frankreich, Arbeit an der Universität Lyon
1940Nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich Flucht nach New York
1953    Dozent an der Columbia University, New York; weltweit beachtete Forschungen auf dem Gebiet der Extremwertstatistik